Wenn die britische Traditionsmarke Barbour plötzlich Farbe bekennt
Die Kooperation von Barbour und Farm Rio bringt Bewegung in bewährte Silhouetten. Britische Zurückhaltung trifft auf brasilianische Opulenz. Statt Kompromiss entsteht ein kontrollierter Stilclash, der überraschend gut funktioniert.

Fotos: Barbour
Es hätte auch schiefgehen können. Barbour, Inbegriff britischer Nieselregen-Romantik, trifft auf Farm Rio, ein Label, das bei 30 Grad erst richtig aufdreht. Viel Potenzial also für ein modisches Missverständnis. Passiert ist das Gegenteil.
Die gemeinsame Kollektion wirkt nicht wie ein Kompromiss, sondern wie ein Treffen auf halber Strecke, irgendwo zwischen englischer Wiese und brasilianischer Großstadt. Barbour bleibt dabei erstaunlich unbeeindruckt von all der Farbe. Die Schnitte: vertraut. Das Auftreten: pragmatisch.
Und genau darauf treffen plötzlich diese Prints. Blumen, natürlich, aber nicht brav. Eher so, als hätte jemand die britische Landschaft einmal durch Rio geschickt und wieder zurückgebracht. Gänseblümchen auf Wachsjacken, Stickereien auf Quilts, die man sonst eher mit Hundespaziergängen als mit Großstadt verbindet. Farm Rio bringt genau das ein, was Barbour nie hatte und vermutlich auch nie wollte: Lust am Zuviel. Interessanterweise kippt das nie ins Kostümhafte. Vielleicht, weil niemand versucht, die Gegensätze aufzulösen. Die Teile wollen nicht gefallen. Sie funktionieren - oder eben nicht.
Die spannendsten Stücke sind dabei nicht die offensichtlichen, sondern jene, bei denen man zweimal hinschaut. Eine Jacke, die erst klassisch wirkt und dann doch aus dem Augenwinkel heraus bunt wird. Ein Trenchcoat, der seine Ernsthaftigkeit nur so lange behält, bis man näher kommt. Und dann sind da noch die Extras: Hundemäntel, Gummistiefel und Accessoires. Dinge, die man nicht wirklich braucht, aber ziemlich sicher haben will.






