Louis Vuitton, Dior & Co. – Modehäuser als Designakteure in Mailand

Die Design Week in Mailand spielt sich oft abseits der großen Ströme ab. In Palazzi und Innenhöfen entstehen temporäre Inszenierungen mit klarer Handschrift. Modehäuser erweitern hier ihr Repertoire und denken Gestaltung über Kleidung hinaus.

Von Yasmin El Mohandes
Louis Vuitton Dichroic Cocoon von Estudio Campana aus der Objets Nomades Kollektion bei der Mailänder Design Week

Der schwebende „Dichroic Cocoon“ von Estudio Campana für Louis Vuitton Objets Nomades verbindet Design, Lichtkunst und futuristische Handwerkskunst. Präsentiert im Rahmen der Mailänder Design Week zeigt das Objekt die kreative Designstrategie des Modehauses über Mode hinaus. Foto: Louis Vuitton

Wer während der Design Week durch Mailand läuft, findet die besten Adressen nicht im Stadtplan, sondern durch Einladungen. Hinter schweren Türen, in Innenhöfen, in Palazzi, die sonst verschlossen bleiben, entscheidet sich, wer in dieser Woche wirklich den Ton angibt. Louis Vuitton hat sich für eine der prächtigsten Adressen entschieden: den Palazzo Serbelloni, Corso Venezia 16. Ein Ort, der allein schon Gewicht hat. Hohe Decken, stuckverzierte Säle, Räume, die Geschichte nicht behaupten müssen. Gezeigt wird die neue Objets Nomades Kollektion. Im Zentrum steht dabei weniger das einzelne Objekt als die Frage, wie sich Designgeschichte fortschreiben lässt. Im Giangaleazzo-Saal beginnt diese Erzählung mit Pierre Legrain. Der Art-Déco-Designer dient als klare Referenz für eine neue Kollektion aus Möbeln, Textilien und Art de la Table. Seine Bucheinbände liefern die Motive. Diese neuen Stücke stehen neben historischen Koffern, frühen Reiseaccessoires und Originalarbeiten aus dem Archiv.

Louis Vuitton Objets Nomades in Mailand: Neue Möbel, Legrain-Ikonen und Charlotte Perriand im Fokus

Im Gabrio-Saal rückt die aktuelle Objets Nomades Kollektion stärker in den Fokus. Ein großformatiger Tikal-Teppich, ebenfalls aus der Legrain-Hommage entwickelt, bildet das Zentrum. Darum gruppieren sich neue und bestehende Designobjekte, darunter auch Stücke aus der Fortunato-Depero-Kollektion des Vorjahres. Im Napoleonica-Saal werden zentrale Entwürfe konkret sichtbar. Die Riviera-Chaiselongue und der Celeste-Schminktisch, ursprünglich 1921 von Legrain für Louis Vuitton entworfen, sind neu aufgelegt. Der Beauharnais-Saal verschiebt den Fokus auf Charlotte Perriand. Grundlage ist ein Textilentwurf aus den 1920er-Jahren, neu interpretiert in der aktuellen Tribute-Kollektion. Das geometrische, an Landschaft erinnernde Muster taucht im Raum in verschiedenen Anwendungen auf: als Textil, als Referenz für Tafelgeschirr, als visuelles Raster. Ergänzt wird das durch neue und überarbeitete Objekte, darunter Kerzen im reduzierten Design von Marc Newson sowie Möbel von Patrick Jouin und Cristian Mohaded.

Louis Vuitton Objets Nomades Inszenierung im Parini Room mit gedeckter Tafel bei der Mailänder Design Week

Eine elegante Tischinszenierung im Parini Room zeigt Louis Vuitton Objets Nomades als Verbindung von Interior Design, Handwerkskunst und luxuriöser Wohnkultur bei der Mailänder Design Week. Foto: Louis Vuitton

Louis Vuitton Stella Armchair von Raw Edges in spiegelnder Rauminstallation der Objets Nomades Kollektion

Der skulpturale Stella Armchair von Raw Edges für Louis Vuitton Objets Nomades wird in einer immersiven Spiegelinstallation präsentiert und zeigt die futuristische Designkraft des Hauses. Foto: Louis Vuitton

Louis Vuitton Pierre Legrain Hommage Kollektion mit Möbeln und Teppichen bei der Mailänder Design Week

Die Pierre Legrain Hommage Kollektion von Louis Vuitton vereint historische Designreferenzen mit modernen Möbeln, Teppichen und Interior-Objekten. Foto: Louis Vuitton

Louis Vuitton Archive Collection mit Art-Déco-Objekten und Reisekoffern bei der Mailänder Design Week

Die Louis Vuitton Archive Collection zeigt historische Reiseobjekte, Art-Déco-Einflüsse und ikonische Handwerkskunst. Foto: Louis Vuitton

Im Parini-Saal wird die Legrain-Linie noch einmal konkretisiert. Ausgangspunkt ist ein rot-goldenes Motiv, ebenfalls aus einem Bucheinband abgeleitet. Daraus entsteht eine geschlossene Serie aus Geschirr, Accessoires und Textilien. Die Formsprache bleibt streng, fast minimalistisch, ein direkter Rückgriff auf die Klarheit des Art Déco. Das Boudoir setzt stärker auf Einzelstücke. Das Cabinet Kaléidoscope zeigt aufwendige Intarsien aus exotischem Leder, während der von Estudio Campana entworfene Tischfußball mit Meerjungfrauen bewusst mit Erwartungshaltungen bricht. Ergänzt wird der Raum durch den neuen Cocoon Dichroic, eine Zusammenarbeit von Estudio Campana und Géraldine Gonzalez, ein Objekt aus handgeschnittenen, irisierenden Elementen, das sich je nach Licht verändert. Im Grand Foyer steht mit dem Stella Armchair von Raw Edges eines der prominentesten neuen Stücke im Vordergrund. Der Sessel arbeitet mit einem textilen Überzug, der optische Effekte erzeugt und die Wahrnehmung von Form und Tiefe verschiebt.

Auch der Innenhof des Palazzo Serbelloni, Corso Venezia 16, ist Teil der Präsentation. In Zusammenarbeit mit der Accademia di Belle Arti di Brera entsteht hier ein großformatiger Teppich, basierend auf einem Legrain-Motiv. Ein Projekt, das den historischen Bezug öffnet und in einen zeitgenössischen Kontext überführt.

Louis Vuitton Plaid aus der Pierre Émile Legrain Hommage Kollektion auf cremefarbenem Sofa
Louis Vuitton Art de la Table Kollektion mit Tellern und Leder-Platzset aus der Pierre Legrain Hommage Serie
Louis Vuitton Tablett aus der Pierre Émile Legrain Hommage Kollektion mit grafischem Art-Déco-Muster
Louis Vuitton dekorative Designbox von Campana Brothers aus der Objets Nomades Kollektion auf blauem Sessel

Foto: Louis Vuitton

Louis Vuitton dekorative Holzbox mit geometrischem Intarsienmuster aus der Objets Nomades Kollektion

Foto: Louis Vuitton

Dior in Mailand: Neue Corolle-Lampen und Design inspiriert vom New Look

Wenige Straßen weiter, im Brera-Viertel, setzt Dior seinen Akzent. Adresse: Palazzo Landriani, Via Borgonuovo 25. Im Zentrum steht eine neue Serie von Corolle-Lampen, entworfen von Noé Duchaufour-Lawrance. Ihr Ausgangspunkt liegt in der Modegeschichte des Hauses: der Corolle-Linie des New Look von 1947. Die Leuchten übersetzen diese Silhouette in ein Objekt, blütenartig, offen und organisch in der Form. Die Inszenierung greift einen weiteren Referenzpunkt auf: die Gärten der Villa Les Rhumbs in Granville, das Elternhaus von Christian Dior. Dieses Motiv wird jedoch nicht naturalistisch umgesetzt, sondern abstrahiert. Daran arbeiten die thailändischen Künstler Korakot Aromdee und Vasana Saima, die organische Formen in eine grafische, strukturierte Umgebung überführen.

Louis Vuitton Celeste Schminktisch mit Spiegel und Hocker aus der Pierre Émile Legrain Hommage Kollektion

Der Celeste Schminktisch von Louis Vuitton. Foto: Louis Vuitton

Louis Vuitton Aqua Coffee Table von Franck Genser aus der Signature Collection mit zwei ovalen Ebenen

Der Aqua Coffee Table aus der Louis Vuitton Signature Collection wurde von Franck Genser entworfen. Foto: Louis Vuitton

Louis Vuitton Riviera Chaiselongue aus der Pierre Émile Legrain Hommage Kollektion mit Lederbespannung und schwarzem Holzgestell

Die neu aufgelegte Riviera Chaiselongue aus der Louis Vuitton Hommage Kollektion an Pierre Émile Legrain. Foto: Louis Vuitton

In der Via Sant’Andrea 15 inszeniert Bottega Veneta eine Lichtinstallation im eigenen Store. Im ehemaligen Schwimmbad La Pelota, Via Palermo 10, zeigt Hermès seine Home-Kollektion in einer modular aufgebauten Raumstruktur. Und im Flagship-Store von Issey Miyake, Via Bagutta 12, werden Möbel aus recycelten Papierrollen präsentiert, ein bewusst experimenteller Ansatz. Einen ganz anderen Ton setzt der Wiener Designer Arthur Arbesser in seinem Atelier in Mailand, indem er zwei Wiener Kreative einlädt, sein Studio zu übernehmen: Onka Allmayer-Beck zeigt Keramik-Wandarbeiten und Pappmaché-Skulpturen, während Matthias Paul Hempt mit seinem Studio Heller & Dimmer Lichtdesigns präsentiert. Arbesser selbst stellt "Looong Objects" vor, eine Reihe von Textilkunst in limitierter Auflage, die nach gewöhnlichen Objekten wie Stiften und Streichhölzern geformt ist.

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