Neudefinition statt Nostalgie: Prada ordnet Versace neu

Der neue kreative Kopf von Versace heißt Pieter Mulier – ein Name, der nicht für Selbstdarstellung steht, sondern für analytische, konzeptuelle Gestaltung. Nun soll er ein Haus führen, dessen Identität stärker ist als jede einzelne Kollektion.

Von Alexander Pfeffer

Versace war nie leise. Das Haus lebte von Gold, Haut und einer Idee von Luxus, die keinen Raum für Zweifel ließ. Doch alles, was laut ist, droht sich selbst zu übertönen. Nach der Übernahme durch die Prada Group steht das traditionsreiche Mailänder Haus nicht mehr im Nachhall seiner eigenen Geschichte, sondern im Fokus einer strategischen Neujustierung - und diese wird mit dem Kreativen Pieter Mulier jetzt erstmals sichtbar.

Der 46-jährige Belgier wirkt auf den ersten Blick überraschend als Nachfolger: kein Popstar‑Designer, kein plakatives Genie, sondern ein Mann mit einer ausgeprägten Neigung zur Struktur. Seine Ausbildung in Architektur in Brüssel und sein beruflicher Weg - zuerst als enger Mitarbeiter des belgischen Designers Raf Simons, der heute gemeinsam mit Miuccia Prada die kreative Leitung von Prada innehat, später als Creative Director von Alaïa - erklären, warum Prada ihm zutraut, Versace neu zu ordnen.

Mulier begann seine Karriere in den frühen 2000er‑Jahren im Umfeld von Simons, arbeitete bei dessen eigenem Label, bei Jil Sander, bei Christian Dior und später bei Calvin Klein. Diese Stationen machten ihn zu einem Designer, der Visionen nicht nur entwirft, sondern auch innerhalb globaler Strukturen umsetzt.

Sein fünfjähriges Kapitel bei Alaïa war geprägt von einer klaren, präzisen Ästhetik: skulpturale Silhouetten, technische Finesse und ein raffinierter Umgang mit Materialien brachten der Marke neue Sichtbarkeit und kommerziellen Rückenwind.

Bei Versace steht Mulier nun vor einer doppelten Aufgabe: Er muss behutsam mit einer starken ikonischen Identität umgehen und zugleich kreative Relevanz schaffen. Lorenzo Bertelli, Executive Chairman von Versace und Sohn von Miuccia Prada, ist dabei sein direkter Ansprechpartner. Donatella Versace bleibt als kulturelle Instanz präsent, als Hüterin eines Mythos, der das Haus über Jahrzehnte geprägt hat. Die operative kreative Verantwortung liegt nun bei Pieter Mulier. Seine Aufgabe ist präzise umrissen: Glamour zu disziplinieren, ohne ihn zu neutralisieren, Exzess zu ordnen, ohne ihm die Kraft zu nehmen. Prada entwirft damit eine neue Grammatik des Luxus - kontrolliert, strategisch, visionär. Und Pieter Mulier ist der Mann, der diesen Anspruch nun einzulösen hat.

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