Mode aus der Zukunft: Iris van Herpens neue Schau in New York
Mit „Sculpting the Senses“ zeigt das Brooklyn Museum die bislang größte US-Ausstellung der niederländischen Designerin Iris van Herpen. Zwischen lebenden Algen, 3D-Druck und schwebenden Glasblasen wird Mode hier zum Experiment zwischen Kunst und Wissenschaft.

Foto: Rob Rusling
Mode kann vieles sein: Statussymbol, Spektakel, Instagram-Kulisse. Bei Iris van Herpen wird sie allerdings regelmäßig zu etwas völlig anderem - zu Biologie, Physik, manchmal fast zu Science-Fiction. Ihre neue Ausstellung „Sculpting the Senses“ im Brooklyn Museum zeigt genau das: Kleider, die aussehen, als kämen sie nicht aus einem Atelier, sondern direkt aus einem Labor oder vom Grund des Ozeans. Berühmt wurde van Herpen einst mit dem ersten 3D-gedruckten Kleid auf dem Laufsteg. Das war 2010, als 3D-Druck noch eher nach Architekturstudenten und Zukunftsmesse klang als nach Haute Couture. Van Herpen war die Erste, die daraus tatsächlich Mode machte. Inzwischen ist sie längst weiter.
Zwischen Couture, Wissenschaft und lebenden Organismen
Das spektakulärste Stück der Ausstellung ist ein Kleid aus lebenden Algen. Kein Gimmick, keine Installation, sondern tatsächlich Couture. 125 Millionen Algen wurden dafür über Monate gezüchtet; sie reagieren auf Bewegung und leuchten leicht im Dunkeln. Das Ergebnis sieht aus wie etwas zwischen Koralle, Nebelwesen und futuristischem Spitzenkleid. Während viele Luxusmarken noch Nachhaltigkeit plakatieren, arbeitet van Herpen bereits direkt mit der Natur zusammen.
Überhaupt fühlt sich diese Ausstellung eher wie eine Reise durch ein futuristisches Naturkundemuseum an als wie eine klassische Modeschau. Zwischen Fossilien, Korallen und wissenschaftlichen Zeichnungen stehen Kleider, die an Spinnennetze, Wasserströmungen oder Zellstrukturen erinnern. Manche sehen aus, als wären sie gewachsen statt genäht worden. Genau das macht van Herpen so besonders: Sie interessiert sich nicht nur für Mode, sondern für alles, was dahinterliegt: Mathematik, Neurowissenschaften, Astronomie, Meeresbiologie. Ihre Entwürfe wirken deshalb oft weniger wie Kleidung als wie bewegliche Skulpturen. Trotzdem bleibt darin immer etwas sehr Poetisches.
Natürlich tauchen auch die großen Namen auf. Beyoncé trug ihre Entwürfe auf der „Renaissance“-Tour, Lady Gaga sowieso, Björk schon lange. In Brooklyn ist außerdem das auffällige Bubble Dress zu sehen, ein Kleid aus tausenden schimmernden Glasblasen, das aussieht, als würde es über dem Körper schweben. Eine neue Version davon trug Olympiasiegerin Eileen Gu zuletzt bei der Met Gala. Und auch Anne Hathaways purpurfarbenes Kleid aus dem Film „Mother Mary“ ist Teil der Ausstellung. Was bei all dem beeindruckt: Van Herpen wirkt nie wie eine Designerin, die bloß futuristisch sein möchte. Bei vielen Modehäusern sieht Innovation heute schnell nach Marketing aus. Bei ihr dagegen entsteht tatsächlich etwas Neues. Ihre Arbeiten zeigen, wie nah sich Kunst, Wissenschaft und Mode inzwischen kommen können. Nach dieser Ausstellung schaut man jedenfalls anders auf Stoff, Formen und Bewegung. Und vielleicht auch ein bisschen anders auf die Zukunft der Mode.






