Juwelier Schullin bringt das Looshaus zum Funkeln: Ein Wiener Wahrzeichen wird zum Juwel
Das Looshaus am Michaelerplatz – einst ein Affront gegen den imperialen Geschmack, heute ein architektonischer Meilenstein. Jetzt bringt die Juweliersfamilie Schullin das legendäre Gebäude zum Funkeln.

Das Looshaus am Michaelerplatz – einst ein Skandal, heute ein Denkmal. Als Adolf Loos 1912 dieses radikale Bauwerk für Goldman & Salatsch entwarf, war die Wiener Gesellschaft entsetzt: Kein Stuck, keine dekorativen Kapriolen – eine Fassade, so glatt wie eine frisch polierte Marmortafel. Kaiser Franz Joseph, bekannt für seine Vorliebe für barocken Prunk, soll angewidert die Vorhänge zugezogen haben – ein erster Shitstorm der Architekturgeschichte.
Doch wirklich wertvolle Architektur hält so was aus. Das Looshaus überlebte seine Kritiker, den Bankrott seines Auftraggebers, eine Nazi-Umwidmung zum Autohaus und die Geschmacksverirrungen der 60er-Jahre. 1987 dann die Renaissance – von einer Bank mit feinem Fingerspitzengefühl restauriert. Statt falschem Pomp wagte man das Undenkbare: eine Rückkehr zu Loos' radikaler Klarheit.
Und nun? Nun funkelt es. Denn die Juweliersfamilie Schullin hat das Looshaus übernommen und ihm eine neue Bestimmung gegeben. Wo einst feinste Maßanzüge verkauft wurden, sind es heute maßgefertigte Preziosen oder edle Chronometer.
Herbert Schullin weiß, dass wahre Eleganz nicht nur im Schmuck, sondern auch in der Architektur liegt. Die ersten beiden Wiener Geschäftslokale, entworfen von Pritzker-Preisträger Hans Hollein, erregten international Aufsehen und wurden in führenden Architekturzeitschriften gefeiert. Die „Casa Vogue" widmete dem Geschäft am Kohlmarkt gar ihr Cover. Jetzt also das Looshaus – eine Herausforderung und eine logische Konsequenz zugleich. Dafür stand die ganze Familie zusammen.
Doch eine Ikone modernisieren? Ein Balanceakt. Veraltete Technik musste erneuert, Loos' radikale Klarheit jedoch unangetastet bleiben. Architekt Peter Plattner aus Bozen schaffte es, zeitgenössische Ästhetik mit der historischen Substanz zu verweben, ohne den Geist des Hauses zu verwässern. Selbst das Bundesdenkmalamt zeigte sich kooperativ, wohl wissend, dass hier keine belanglose Renovierung, sondern eine Renaissance stattfand.
Und so kehrt das Handwerk ins Looshaus zurück: Wo einst Schneider Nadeln führten, setzen nun zertifizierte Uhrmachermeister ihre Lupen an. Ein Atelier für Zeitmesser, ein Tempel der Juwelierskunst – das Haus von Goldman & Salatsch atmet wieder.