Rosewood: Vom Geheimtipp zum globalen Symbol für Luxushotels
Rosewood wächst mit einer Grandezza, die selbst alteingesessene Luxushotelketten nervös werden lässt: Drei neue Häuser im deutschsprachigen Raum sind der Anfang – 27 weitere sollen weltweit folgen.

Diese Summen stehen für andere Sphären: Mehr als 100 Millionen Euro kostete die Renovierung der einstigen Zentrale der Bayerischen Vereinsbank in München, 50 Millionen verschlang der Umbau von Schloss Fuschl, in dem Teile der „Sissi“-Saga gedreht wurden. All diese Verschönerungsarbeiten wurden in den vergangenen drei Jahren nur zu dem Zweck abgeschlossen, in den Immobilien sagenhafte Fünf-Sterne-Hotels mit klangvollem Namen unterzubringen: Rosewood.
Was ein bisschen nach einem Parfum-Inhaltsstoff klingt, sorgt auf dem internationalen Parkett für aufgeregtes Herzklopfen. Edles Design und Service gehen in den Rosewood-Hotels eine heilige Allianz ein, Gäste fühlen sich in den 33 Häusern wahlweise auf den Händen getragen oder in einen sinnlichen Rausch versetzt. Die Konkurrenz von Aman und Mandarin Oriental scharrt nervös mit den Hufen angesichts dieser aggressiven Neuordnung im Luxussegment; denn keine andere Gruppe schnappt sich derzeit so viele leer stehende Immobilien in Toplage und verwandelt sie in diskrete Orte der Hochprominenz. In Wien hat das aus Hongkong stammende Konglomerat beispielsweise den Sitz der Erste Bank in ein luxuriöses City-Refugium umgebaut; 63 Zimmer, 32 Suiten und fünf sogenannte Houses inklusive. Letztere Top-Kategorie steht nur immens solventen Gästen mit enormem persönlichem Freiraumbedarf zur Verfügung.
Auf das Gefühl kommt es an
„Der Schlüssel ist, ein Hotel zu entwerfen, das sich nicht wie ein Hotel anfühlt“ – so hat Rosewood-Chefin Sonia Cheng einmal ihr Business-Credo zusammengefasst. Popstar Adele weiß, was sie meint: Im vergangenen Sommer gab sie auf dem Münchner Messegelände zehn Konzerte und mietete sich dafür einen Monat im Rosewood-Ableger nahe der Frauenkirche ein. Sie bezog das „König Maximilian I. House“ in der fünften Etage: Zwei Terrassen, vier Schlafzimmer, sechs Bäder, eine voll ausgestattete Küche sowie ein Esszimmer für zwölf Personen finden darin Platz. Auf 452 Quadratmetern durfte sich der Weltstar ausbreiten; manche Medien berichten auch von 451 – es ist nicht überliefert, ob der eine Quadratmeter Differenz eine veritable Wohnkrise ausgelöst hat.
Läppische 30.000 Euro pro Nacht kostet die Zimmerflucht. Angeblich hat Adeles Partner, der Sportagent Rich Paul, die Übernachtung vermittelt. Er ist mit den Eigentümern der Hotelgruppe befreundet, der ansonsten sehr scheuen und vor allem sehr vermögenden Familie Cheng. Tochter Sonia, 42 Jahre jung, leitet die Geschicke der Rosewood-Häuser, ihr Vater erwarb die Firma 2011. Der Familie gehört nebenbei noch das milliardenschwere Schmuck-Immobilien-Telekommunikations-Konglomerat Chow Tai Fook in Hongkong.
Vor 15 Jahren fanden Reisende nur ein paar Rosewood-Hotels auf der Erde verstreut. Gegründet hatte die Marke 1981 eine texanische Geschäftsfrau, als sie in Dallas die Mansion on Turtle Creek für zahlungskräftige Menschen eröffnete. Sehr langsam kamen ein paar Ableger in den USA, Mexiko und der Karibik dazu; eine Handvoll prächtiger Häuser, das spektakulärste sicherlich das Carlyle in Manhattan – das Rockstar Lenny Kravitz offenbar als eine Art Partnerschaftsanbahnungsinstitut betrachtet: Er sagte einmal, es sei der perfekte Ort, um ein Date auf seine Gesellschaftsfähigkeit zu überprüfen.
Seit der Übernahme aus Hongkong gingen Rosewoods Expansionspläne dann durch die Decke. Im Jahresrhythmus eröffneten mindestens zwei neue Hotels: London! Paris! Peking! São Paulo! Nassau! Madrid! In naher Zukunft stehen noch mehr sensationelle Eröffnungen an, allein heuer fünf und 27 insgesamt bis 2030.
Von Okinawa bis Doha
In den kommenden Monaten erhalten unter anderem Okinawa und Doha einen Ableger, die meiste Aufmerksamkeit wird jedoch das zweite Rosewood in London auf sich ziehen: Stararchitekt Sir David Chipperfield arbeitet dafür mit der Gruppe zusammen, um aus der früheren US-Botschaft in Mayfair ein topschickes Urlaubsziel zu machen. The Chancery wird es heißen und sich auch optisch von den anderen Immobilien im Portfolio unterscheiden. Das Gebäude versucht den Spagat zwischen Brutalismus und einer irgendwie tropisch beeinflussten Bauhaus-Variante. Deckenhohe Fenster werden auf den Grosvenor Square hinausgehen, ein weißer Rahmen verleiht dem einstigen Botschaftsbunker eine unerwartete Leichtigkeit.
Zwei weitere Resorts sind in Saudi-Arabien als Teil der Milliarden-Dollar-Initiative „Vision 2030“ geplant, drei Lodges in Neuseeland hat Rosewood übernommen, große Hotelkomplexe in Shanghai und Rom stehen an, und 2026 soll auch das erste Haus auf australischem Boden seine Pforten aufsperren: In Brisbane mietet sich Rosewood in einen neuen Glas-Beton-Bau am Brisbane River ein, gleich neben einer Besucherterrasse 100 Meter über dem Boden. Die örtlichen Medien sprachen gleich vom ersten „Sechs-Sterne-Resort“ des Kontinents.
Sonia Cheng will bei allen Hotels Umgebungen schaffen, die den Nachbarn von nebenan ebenso ansprechen wie den Weltenbummler aus einer anderen Zeitzone – und alle treffen sich zum Morgenkaffee auf der Dachterrasse im ersten Wiener Bezirk oder zum Expresslunch im Grill des Pariser Hôtel de Crillon. Das Konzept scheint aufzugehen: Das Unternehmen berichtet von 60 Prozent Umsatzwachstum in den vergangenen Jahren – und so soll es durchaus weitergehen.