Kurs auf Mode

Vier Orte, vier Visionen, ein roter Faden: Die Cruise-Kollektionen 2026 von Dior, Gucci, Louis Vuitton und Max Mara beweisen: Die Zukunft gehört jenen, die wissen, woher sie kommen.

Von Alexander Pfeffer

DIOR

Maria Grazia Chiuri kehrte mit der Dior-Cruise-Show an den Ort ihrer kulturellen Prägung zurück: nach Rom, die Stadt ihrer Kindheit und ironischerweise die Stadt ihres künftigen Arbeitgebers Fendi - aber das ist eine andere Geschichte. Im Garten der Villa Albani Torlonia, einem architektonischen Juwel des 18. Jahrhunderts, verstand Chiuri es meisterhaft, Roms komplexe Identität in Stoff zu übersetzen: Renaissance-Silhouetten trafen auf kirchliche Pracht, auf Kleider, die an Messgewänder erinnerten. Weiß, in allen Nuancen von Elfenbein bis Kreide, bildete den stillen Mittelpunkt dieser Vision. Von der Herrengarderobe inspirierte Westen, teilweise mit Revers, wurden zu langen, ausgestellten Röcken und Fracks kombiniert. Die Kleider bestanden aus feiner Spitze oder zeigten kontrastierende Basrelief-Muster. Jacken im Military-Stil waren mit schwarzen Borten ausgestattet, ihre Knöpfe mit schwarzen Rändern versehen. Der finale Look – ein Kleid wie eine glitzernde Rüstung – stand für Chiuris Vermächtnis: die Verbindung von Couture und Feminismus, von Schönheit und Stärke.

LOUIS VUITTON

Im Palais des Papes in Avignon, wo einst Päpste residierten, entfaltete Nicolas Ghesquière eine Modevision, die gleichermaßen sakral wie subversiv wirkt. Seine Louis Vuitton Cruise Collection ist ein Tanz zwischen Mittelalter und Zukunft, zwischen Mythos und Glam-Rock-Rebellion. Wie sähe es aus, wenn Jeanne d’Arc mit David Bowie in den 1970ern auf Tour gegangen wäre?

Die Kollektion verbindet extravagante Silhouetten aus dem Mittelalter, feminine Linien sowie traditionelle Lederverarbeitung und überschreitet damit stilistische Grenzen. Architektonische Volumen, metallische Verzierungen und strukturelle Elemente prägen Kleider, Mäntel und Accessoires. Die Stoffe greifen Farben und Motive aus den Kunstwerken und Dekorationen im päpstlichen Schlafzimmer auf, während kurze, weit schwingende Skaterröcke und Hotpants, den Bezug zur Gegenwart herstellen. Und irgendwo zwischen Sakralität und Pop erhebt sich eine neue Form von Weiblichkeit: furchtlos, schön, unnahbar und doch zutiefst menschlich. Die Zukunft gehört den Louis Vuitton-Ritterinnen.

GUCCI

Nach den eruptiven Jahren unter Alessandro Michele, dem lakonischen Intermezzo von Sabato De Sarno und noch bevor Demna endgültig die neue Ära von Gucci prägt, präsentiert sich die Cruise Collection als wohldosierter Brückenschlag. Im Palazzo Settimanni in Florenz, dem Sitz des Gucci-Archivs, wurde sichtbar, was das Haus ausmacht: die Fähigkeit, das eigene Erbe neu zu kalibrieren. Diese Kollektion ist aber keine nostalgische Rückschau, sondern eine Standortbestimmung. Sie stellt die Frage: Wer ist Gucci ohne die Handschrift eines einzelnen Stars? Die Schau geriet zu einer kurzweiligen Zeitreise, zu einer Hommage an das kulturelle Erbe von Florenz – mutig, verspielt, ein wenig frech. Besonders die 1970er-Jahre gaben den Ton an: übergroße Pilotenbrillen, farbenfrohe Chubby Coats, glamouröse Kaftane im Boudoir-Stil, veredelt mit Glitzerdetails und transparenten Strumpfhosen. Das Doppel-G-Monogramm erschien auf Strümpfen und Schnallen, ein Augenzwinkern an das eigene Erbe. Gucci hat sich neu sortiert – mit einem Blick zurück, der nach vorn weist.

MAX MARA

Mit einer Schau im „italienischen Versailles“, der Reggia di Caserta nahe Neapel, beschloss Max Mara die Saison der großen Cruise-Schauen. Designer Ian Griffiths präsentierte eine Kollektion, die er selbst als Ausdruck eines „pragmatischen Feminismus“ bezeichnete. Der Engländer ließ sich von den Heldinnen der 1950er-Jahre inspirieren, jenen Filmfiguren, die von Sophia Loren oder Silvana Mangano verkörpert wurden: sinnlich, kämpferisch, realistisch. Gleich der erste Look – Shorts kombiniert mit BH-Top, fließendem Blazer und Reiterstiefeln – machte klar, dass hier kein nostalgisches Kostüm gezeigt wurde, sondern moderne Selbstbehauptung. Während die Sonne hinter dem Vesuv versank, schritten die Models über die monumentale Freitreppe, in cremefarbenen Kaschmirmänteln, Kokonschnitten und makellosen Zweireihern – Kleidungsstücke, die seit 1951 das Herz der Marke bilden. Zum Abschluss fasste Griffiths das Selbstverständnis des Hauses in Worte: „Die Max-Mara-Frau ist keine Rebellin mit erhobener Faust. Sie verändert die Welt mit Klugheit, Stil und stiller Entschlossenheit.“

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