John Galliano im Mittelpunkt der Met-Ausstellung 2027

Kaum ein Designer hat die Couture der vergangenen Jahrzehnte so geprägt wie der 65-jährige Brite. Die Retrospektive erzählt die Geschichte seines Aufstiegs, seines Absturzes und seiner Rückkehr.

Von Alexander Pfeffer
John Galliano in schwarzer Couture bei einer Modenschau mit Dior-Entwürfen

© gettyimages

Jedes Jahr richtet das Metropolitan Museum of Art in New York seine große Modeausstellung aus und eröffnet sie mit der Met Gala. Kaum ein Termin prägt den Modekalender stärker. Im Frühjahr 2027 rückt John Galliano ins Zentrum. Mit „John Galliano: Horizons“ widmet das Costume Institute dem britischen Designer eine Retrospektive, die sein Werk ebenso in den Blick nimmt wie den Bruch seiner Karriere. Es ist erst die dritte monografische Ausstellung, die das Museum einem noch lebenden Designer widmet. Zuvor erhielten nur Yves Saint Laurent (1983) und Rei Kawakubo (2017) diese Anerkennung.

Die Ausstellung läuft vom 9. Mai 2027 bis zum 9. Jänner  2028 und wird von Andrew Bolton kuratiert, der Gallianos Arbeiten seit Jahren in Ausstellungen des Costume Institute berücksichtigt. „John Galliano: Horizons“ folgt drei Kapiteln - „Bearings“, „Horizons“ und „Atlas of Transformation“ - und versammelt Entwürfe, Accessoires, Skizzen, Toiles, Arbeitsbücher und Archivmaterial. Das Museum besitzt die weltweit größte Sammlung von Gallianos Arbeiten, darunter Modelle aus seiner Abschlusskollektion an der Londoner Central Saint Martins von 1984. Schon damals zeigte sich jene Handschrift, die später seine Arbeit prägen sollte: historische Bezüge, erzählerische Inszenierungen und ein Umgang mit Schnitt und Silhouette, der Mode zu einer Form des Theaters machte.

Galliano gehört zu den Designern, die die Mode der 1990er- und 2000er-Jahre geprägt haben. Nach seinem Abschluss an der Central Saint Martins gründete er sein eigenes Label und zog rasch die Aufmerksamkeit der Pariser Modewelt auf sich. 1995 übernahm er die kreative Leitung von Givenchy, ein Jahr später wechselte er zu Dior. Dort entstanden Kollektionen, die bis heute zu den meistzitierten Arbeiten der Couture zählen. Seine Schauen verbanden Mode mit Literatur, Malerei, Film und Geschichte. Kaum ein anderer Designer inszenierte Kollektionen mit einer vergleichbaren erzählerischen Dichte.

Die Ausstellung spart jedoch auch den tiefsten Einschnitt seiner Laufbahn nicht aus. 2011 wurde Galliano nach antisemitischen und rassistischen Äußerungen in einer Pariser Bar von Dior und seinem eigenen Label entlassen. Ein französisches Gericht verurteilte ihn wegen öffentlicher Beleidigungen aufgrund von Herkunft und Religion. Das Costume Institute greift diese Phase ausdrücklich auf. Thematisiert werden der Verlust seiner Position, seine Behandlung wegen Alkohol- und Drogenabhängigkeit sowie seine spätere öffentliche Auseinandersetzung mit den Vorfällen. Die Ausstellung stellt damit auch die Frage, wie Museen mit dem Werk von Künstlern umgehen, deren Biografie von schwerem Fehlverhalten geprägt ist. Sie trennt die künstlerische Arbeit nicht von der Person, sondern macht den Widerspruch selbst zum Teil der Erzählung.

Nach mehreren Jahren außerhalb der großen Modehäuser kehrte Galliano 2014 an die Spitze von Maison Margiela zurück. Dort fand er zu einer Arbeitsweise, die weniger auf Spektakel als auf Konstruktion und Handwerk setzte. Den Höhepunkt bildete die Artisanal-Kollektion für das Frühjahr 2024. Die Schau wurde von Kritikern als eine der bedeutendsten Couture-Präsentationen der vergangenen Jahre bezeichnet und löste eine neue Debatte über Gallianos Stellenwert in der Modegeschichte aus. Ende 2025 verließ er Maison Margiela nach zehn Jahren.

Während das Metropolitan Museum seine Vergangenheit aufarbeitet, beginnt für Galliano zugleich ein neues Kapitel. Im Herbst erscheint seine erste Saisonkollektion für Zara. Die Zusammenarbeit ist auf zwei Jahre angelegt und wird Ende September während der Pariser Modewoche vorgestellt. Dass diese Premiere fast zeitgleich mit der Ankündigung der Met-Retrospektive erfolgt, unterstreicht die neue Aufmerksamkeit für einen Designer, dessen Karriere wie kaum eine andere von Erfolg, Fall und Rückkehr geprägt wurde.

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