„Die Ausstellung soll vor allem berühren“

Mit „Glanzstücke“ zeigt Van Cleef & Arpels gemeinsam mit dem MAK die Verbindung von Schmuck, Kunst und Design. CEO Catherine Rénier spricht über Emotionen, handwerkliche Exzellenz und die Werte, die die Maison seit mehr als einem Jahrhundert prägen.

Von Yasmin El Mohandes
Ausstellungsraum „Metamorphose“ der Schau „Glanzstücke“ im MAK Wien mit Vitrinen und Schmuckarbeiten von Van Cleef & Arpels.

DIVA: Gemeinsam mit dem Wiener MAK zeigt Van Cleef & Arpels aktuell die Ausstellung „Glanzstücke“. Van Cleef & Arpels bezeichnet seine historischen Schmuckstücke als kulturelles Erbe. Wann wird Schmuck für Sie zur Kunst?

CATHERINE RÈNIER: Ich glaube, Schmuck wird in dem Moment zur Kunst, in dem er für seinen Besitzer eine persönliche Bedeutung erhält. Sobald ein Schmuckstück getragen wird und Teil einer individuellen Geschichte wird, entsteht etwas, das über das Haus Van Cleef & Arpels und den eigentlichen Entstehungsprozess hinausgeht.

DIVA: Die Ausstellung bringt Schmuckstücke von Van Cleef & Arpels mit Werken des MAK in einen gemeinsamen Kontext. Was macht diesen Dialog für Sie so spannend?

CATHERINE RÈNIER: Eine Ausstellung wie diese eröffnet zudem neue Perspektiven. Indem die Kreationen in Beziehung zu anderen Werken ihrer Zeit gesetzt werden, entsteht ein Dialog zwischen Schmuck, Kunsthandwerk und Design. Gemeinsam mit dem MAK können wir zeigen, wie unsere Schmuckstücke mit den gestalterischen Strömungen des 20. Jahrhunderts in Verbindung stehen und wie sich bestimmte Inspirationen und künstlerische Ideen in unterschiedlichen Ausdrucksformen wiederfinden. Genau das macht den besonderen Reiz dieser Ausstellung aus: Sie zeigt, wie sich verschiedene Bereiche der angewandten Kunst gegenseitig bereichern und inspirieren.

DIVA: Die legendäre Zip-Halskette gilt als Symbol für Wandelbarkeit. Warum ist diese Fähigkeit zur Transformation bis heute so wichtig für Van Cleef & Arpels?

CATHERINE RÈNIER: Verwandlungsfähigkeit gehört seit jeher zur DNA von Van Cleef & Arpels. Die Zip-Halskette entstand bereits in den 1930er-Jahren, und schon davor gab es Kreationen, die sich auf unterschiedliche Weise tragen ließen. Bei der Zip-Halskette war uns besonders wichtig, dass der Reißverschluss nicht nur dekorativ ist, sondern tatsächlich funktioniert und sich die Halskette in ein Armband verwandeln lässt.

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Catherine Rénier, CEO von Van Cleef & Arpels, spricht über die Ausstellung „Glanzstücke“ im MAK Wien und die Verbindung von Schmuck, Kunst und Design.

Van-Cleef-&-Arpels-CEO Catherine Rénier erklärt im Interview, warum Emotionen, Handwerkskunst und kreative Exzellenz die Maison seit mehr als einem Jahrhundert prägen.
Foto: Van Cleef & Arpels/JohannSauty

Zip Necklace von Van Cleef & Arpels aus dem Jahr 1955 in Gold, Platin, Smaragden und Diamanten, aus der Ausstellung „Glanzstücke“ im MAK Wien.

Zip Necklace, 1955
In ein Armband verwandelbar
Gelbgold, Platin, Smaragde, Diamanten
Van Cleef & Arpels Collection
Foto: Van Cleef & Arpels

DIVA: Welche weiteren Kreationen verkörpern diese Idee?

CATHERINE RÈNIER: Ein schönes Beispiel ist das Hawaii-Set mit seiner flexiblen Tubogas-Kette, die als Halskette, Armband oder sogar Gürtel getragen werden kann. Diese technische Innovation ermöglicht eine außergewöhnliche Vielseitigkeit und begleitet unser Haus bereits seit den 1940er-Jahren. Bis heute spielt diese Idee eine wichtige Rolle. Auch aktuelle Kreationen lassen sich verwandeln oder auf unterschiedliche Weise tragen. Diese Verbindung von Kreativität, Innovation und Funktionalität zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Geschichte.

DIVA: Wenn wir schon über die Geschichte des Hauses sprechen: Welche Werte der Gründerfamilien prägen Van Cleef & Arpels bis heute am stärksten?

CATHERINE RÈNIER: Exzellenz war von Anfang an ein zentraler Wert. Als sich die Familie 1906 an der Place Vendôme in Paris niederließ, stand nicht nur die Kreation außergewöhnlicher Schmuckstücke im Mittelpunkt, sondern vor allem die Beziehung zu den Kunden. Schon damals ging es darum, die Wünsche und Vorstellungen der Kunden zu verstehen und sie in einzigartigen Kreationen zum Ausdruck zu bringen. Diese Verbindung aus Kreativität, Handwerkskunst und persönlicher Beziehung war entscheidend für den Erfolg des Hauses. Bis heute sind genau diese Werte für Van Cleef & Arpels von zentraler Bedeutung: höchste Qualität, kreative Exzellenz und die enge Verbindung zu unseren Kunden.

DIVA: Wie spiegeln sich diese Werte in der Ausstellung „Glanzstücke“ wider? Was wünschen Sie sich, dass Besucher daraus mitnehmen?

CATHERINE RÈNIER: Vor allem Neugier und Emotionen. Ich hoffe, dass die Besucher die besondere Verbindung zwischen den ausgestellten Werken spüren und den Dialog zwischen den unterschiedlichen Formen angewandter Kunst erleben können. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass die Ausstellung Lust macht, weiter zu entdecken – sei es die Geschichte einzelner Van-Cleef-&-Arpels-Kreationen, bestimmte Stilrichtungen oder die Werke des MAK. Es gibt unglaublich viel zu sehen und zu erforschen. Der Ausstellungskatalog bietet zudem die Möglichkeit, die Eindrücke später noch zu vertiefen. Mit mehr als 300 Kreationen von Van Cleef & Arpels und über 200 Exponaten des MAK ist die Ausstellung so reichhaltig, dass man sie mehrfach besuchen kann und immer wieder neue Details entdeckt. Vor allem aber soll sie berühren. Für mich stehen Neugier und Emotion gleichermaßen im Mittelpunkt dieser Ausstellung.

DIVA: Wenn Sie von Emotionen sprechen: Gab es einen Raum oder einen Moment in der Ausstellung, der Sie besonders berührt hat?

CATHERINE RÈNIER: Besonders beeindruckt hat mich der erste Raum, „Wanderlust“. Mich hat die Art fasziniert, wie dort Objekte unterschiedlichster Größen miteinander in Beziehung gesetzt werden – von feinen Schmuckstücken bis hin zu großformatigen Teppichen und Textilien. Trotz dieser Vielfalt wirkt alles unglaublich harmonisch und selbstverständlich. Auch die Lichtgestaltung hat mich begeistert. Sie führt die Besucher ganz intuitiv von Vitrine zu Vitrine und schafft eine sehr atmosphärische, fast immersive Erfahrung. Für mich ist dieser Raum ein wunderbares Beispiel für die Qualität der gesamten Inszenierung. Die Szenografie drängt sich nie in den Vordergrund und nimmt die Besucher dennoch auf eine Reise mit. Das war für mich der emotionalste Moment der Ausstellung.

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