Der coolste Treffpunkt der Salone del Mobile Milano? Ein Café

Die Modemarke Marni bespielt die Pasticceria Cucchi in Mailand und rückt den gewohnten Ablauf in ein neues Licht.

Von Yasmin El Mohandes
Marni gestaltet das historische Caffè Cucchi in Mailand zur Design Week mit rot-blau gestreifter Markise und beleuchtetem Schaufenster.

Das ikonische Caffè Cucchi in Mailand wird durch Marni zur Design Week neu inszeniert. Rot-blaue Streifen, stilvolle Details und italienische Café-Kultur machen den Ort zu einem der gefragtesten Treffpunkte des Fuorisalone. Foto: Alberto Strada

In Mailand beginnt der Tag nicht langsam, sondern direkt. Ein Espresso an der Theke, schnell getrunken, ein paar Worte, dann geht es weiter. Cafés sind hier keine Kulisse, sondern gehören einfach dazu, vom ersten Kaffee am Morgen bis zum Aperitivo am Abend, wenn Spritz und Negroni auf den Tisch kommen und kleine Snacks ganz selbstverständlich dazugehören. So funktioniert die Stadt. Die Pasticceria Cucchi gehört zu den Orten, an denen man das besonders gut spürt. Seit 1936 gibt es sie, gegründet von Luigi und Vittorina Cucchi, und schon früh war sie mehr als nur eine Konditorei. Hier traf sich ein Publikum, das von Künstlern über Schriftsteller bis hin zur Mailänder Gesellschaft reichte. Es gab Musik, es gab Abende, an denen man blieb. Ein Ort, der immer funktioniert hat, ohne sich groß zu erklären.

Marni übernimmt Mailands Kult-Café Cucchi zur Design Week

Heute wird Cucchi von der Familie Monti geführt, die das Café wieder genau dorthin bringt, wo es hingehört: mitten ins Leben der Stadt. Und genau hier setzt die Modemarke Marni an. Anlässlich der Design Week zieht das Modehaus für drei Monate ein. Bis 15. Juli läuft Marni x Cucchi und anders als man es vielleicht erwarten würde, wird hier nichts auf den Kopf gestellt. Kein kompletter Umbau, keine große Inszenierung. Stattdessen passiert etwas viel Subtileres: Der Raum bleibt, die Abläufe bleiben, aber man schaut plötzlich genauer hin. Dabei fallen Dinge auf, die man vorher übersehen hat. Farben zum Beispiel. Rot und Grün ziehen sich durch den Raum, tauchen auf Tassen, Zuckerpäckchen, Verpackungen und Stoffen auf. Dazu kommen Muster, Punkte und Streifen, die an früher erinnern, ohne alt zu wirken. Viele dieser Dinge bleiben nicht nur im Raum, sondern tauchen auch außerhalb wieder auf, etwa die Tassen, die gleichzeitig in der Marni-Boutique in der Via Montenapoleone erhältlich sind.

Gestapeltes Marni x Cucchi Geschirr mit Punkten und Streifen auf Tisch vor Holzpaneel

Die limitierte Marni x Cucchi Geschirrkollektion. Foto: Alberto Strada

Golden Retriever mit Marni-Halstuch sitzt neben einem Schachtisch vor dem Caffè Cucchi in Mailand.

Foto: Alberto Strada

s sind genau diese Details, die den Unterschied machen. Auch die Uniformen des Personals gehören dazu, genauso wie ein gemeinsames Logo: eine grün-rote Fliege, die beide Welten verbindet, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Entwickelt wurde das Ganze zusammen mit dem Mailänder Studio RedDuo, das den Ort nicht neu erfindet, sondern ihn klarer zeigt. Hier geht es nicht darum, etwas komplett Neues zu schaffen, sondern darum, genauer hinzuschauen.

Der Tagesablauf bleibt exakt derselbe. Morgens öffnet das Café um 7.30 Uhr, der erste Kaffee wird wie immer im Stehen getrunken. Tagsüber kommen und gehen die Gäste, kurz oder länger, je nach Zeit. Und am Abend verändert sich der Ort ganz von selbst. Dann rückt der Aperitivo in den Mittelpunkt. Für die Dauer der Zusammenarbeit gibt es eine eigene Spritz-Karte, kuratiert von Martini, mit Varianten wie Bianco und Bitter Spritz. Klassisch, nur leicht verändert.

Foto: Alberto Strada

Foto: Alberto Strada

Dazu kommt jeden Donnerstag Live-Musik. Kein großes Konzert, eher ein fließender Übergang, ein Verweis auf die Zeit, in der Cucchi auch ein Caffè Concerto war. Die Abende ziehen sich dann oft länger als geplant. Die Musik drängt sich nicht auf, hält aber alles zusammen.

Gleichzeitig zeigt das Projekt auch, wohin sich Marni gerade bewegt. Es ist die erste Design Week unter der neuen Kreativdirektorin Meryll Rogge, die Marni stärker mit Design und Raum verbindet. Ihre erste Kollektion für Herbst/Winter 2026 wurde mit einem Set des angesagten Designerduos Formafantasma gezeigt. Das Bühnenbild griff einen anonymen Alltagsraum auf und machte daraus etwas, das man plötzlich wieder bewusst sieht. Genau dieser Ansatz zeigt sich auch hier. Der Alltag bleibt derselbe, man schaut nur genauer hin.

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