Neue Brasserie in der Alten Post: Rascal startet im ersten Bezirk

Die Wiener Restaurantszene hat eine neue Adresse: Rascal am Fleischmarkt. Im Wilde Vienna Fleischmarkt setzt die Brasserie auf österreichische Klassiker, internationale Einflüsse und gemeinsame Genussmomente. Küchenchef Tamas Kiss bringt dafür Erfahrung aus mehreren europäischen Küchen mit.

Von Yasmin El Mohandes

Am 5. März hat das Rascal im Wilde Vienna Fleischmarkt eröffnet, untergebracht im historischen Gebäude der ehemaligen Alten Post. Ein Haus, das schon viele Geschichten gesehen hat und nun eine weitere dazubekommt: eine gastronomische, die mit viel Selbstbewusstsein antritt. Brasserie nennt sich das Konzept, aber das Wort greift fast ein wenig kurz. Rascal ist vielleicht schon bald Treffpunkt, Bühne und einer jener Orte, an denen Wiener sagen: „Gehen wir noch kurz auf ein Glas.“

Die Architektur hilft dabei. Die historischen Details wie Stuck, hohe Fenster, großzügige Raumachsen wurden bewusst belassen. Dazwischen setzen dunkle Hölzer, Messingakzente und satt gefärbte Stoffe moderne Kontrapunkte. Das Interieur stammt von Stephanie Barba Mendoza, die zuvor lange beim renommierten Martin Brudnizki Design Studio tätig war. Inspiration holte sie sich aus jener Epoche, in der Wien kulturell explodierte: der Zeit der Wiener Secession und der Wiener Werkstätte. Über dem Gastraum schwebt eine Lichtinstallation des steirischen Künstlers SHA., die sich mit den Jahreszeiten verändert. Mal wirkt der Raum dadurch fast sakral, mal wie eine Theaterbühne kurz vor Beginn. In jedem Fall: bemerkenswert.

Doch Räume allein machen noch kein Restaurant. Das Herz schlägt bekanntlich in der Küche, und dort steht Tamas Kiss. Der gebürtige Rumäne mit ungarischen Wurzeln hat sich in den letzten Jahren in Wien einen Namen erarbeitet, zuletzt als Küchenchef im Seven North, wo er sich vom Chef de Partie bis an die Spitze der Brigade hochkochte. Seine Handschrift im Rascal: österreichische und zentraleuropäische Klassiker, aber mit einem kleinen, klugen Dreh. Keine Revolution, eher ein elegantes Weiterdenken. Das Kalbsschnitzel bleibt ein Schnitzel, der Tafelspitz ein Tafelspitz. Doch die Produkte sind präzise gewählt, die Balance der Aromen wirkt geschärft, fast poliert. Einige Gerichte werden am Tisch vollendet, ein bisschen Brasserie-Theater gehört dazu. Der Caesar Salad etwa oder das Beef Tatar erscheinen zunächst unscheinbar, ehe sie vor den Gästen angerichtet werden. Messer, Löffel, ein paar geübte Handgriffe, und plötzlich hat das Ganze etwas von einer kleinen kulinarischen Inszenierung.

Am Wochenende verschiebt sich der Fokus dann deutlich Richtung Sharing. Austern liegen auf Eis, irgendwo wird ein Tomahawk-Steak aufgeschnitten, während am Nebentisch diskutiert wird, ob man noch eine Flasche bestellen sollte. Wahrscheinlich wird man. Zum Dessert schließlich kommt eine Schokoladenmousse aus Valrhona-Kakao, die den vielsagenden Namen „Say When“ trägt. Sie wird am Tisch portioniert – so lange, bis der Gast sagt: genug. Was selten früh passiert. Auch sonst setzt Rascal auf gemeinsames Genießen. Drei sogenannte Family-Style-Menüs - Full Rascal, Sea Rascal und Veggie Rascal - bringen Snacks, Vorspeisen, Hauptgänge und Desserts in lockerer Abfolge auf den Tisch.

Die Weinkarte bleibt dabei erfreulich bodenständig und zugleich neugierig. Viele österreichische Produzenten sind vertreten, ergänzt durch internationale Flaschen mit Charakter. Schaumwein gibt es bewusst auch glasweise, und irgendwo in der Karte wartet stets eine Magnum des Monats. Wer lieber zum Cocktail greift, findet Signatures wie den Rascal Negroni oder einen elegant interpretierten Spritz. Und wer ganz genau hinsieht, entdeckt auf der Karte auch eine eigens entwickelte Rascal-Wurst, entstanden in Zusammenarbeit mit der Fleischerei Leopold Eder nach einem Rezept von Tamas Kiss. Es sind diese Details, die zeigen, wie ernst man das Projekt hier nimmt. Produzenten wie die Bäckerei Öfferl oder Valrhona stehen nicht zufällig auf der Liste.

Das Rascal ist ein Restaurant, das nicht nur ein Abendessen verspricht – sondern einen Abend.

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