Mit Stil die Welt verändern: Hollywoodstar Angelina Jolie über Mode, Kunst und Verantwortung

Sie gibt die Operndiva, ist auf den roten Teppichen unterwegs, und seit Neuestem macht Angelina Jolie auch nachhaltige Mode. Im Interview spricht sie über ihr Atelier in New York – und warum es ein Zuhause für Künstler ist.

Von Martin Scholz

Nach mehrjähriger Pause hat Angelina Jolie zuletzt wieder in der Filmwelt alle Blicke auf sich gezogen. Ihre Rolle als Opern-Diva Maria Callas brachte ihr bei den heurigen Golden Globes eine Nominierung als beste Schauspielerin in einem Filmdrama ein. Anfang Jänner durfte sie sich bei den Palm Springs International Film Awards bereits über die Sieger-Trophäe freuen.

Aber abseits von Hollywood hat die 49-jährige Powerfrau jetzt noch eine neue, ganz andere Rolle gefunden: Sie gründete in New York das „Atelier Jolie“. Es ist zugleich der Name einer von ihr mitdesignten neuen Modemarke, für die ausschließlich Restbestände und hochwertige Vintage-Materialien verwendet werden. Zum anderen ist dieses Atelier ein konkreter Ort, angesiedelt in der 57th Great Jones Street, in einem Haus, in dem einst der legendäre afroamerikanische Kunst-Star und Street-Artist Jean-Michel Basquiat lebte und arbeitete. Jolie hat in dem Gebäude eine Mischung aus Mode-Concept-Store, Kreativ-Werkstatt und Kulturzentrum untergebracht.

Sie stellt hier nicht nur Kleidung ihrer eigenen Marke aus, sondern bringt Designer, Schneider, Künstler und Kunsthandwerker zusammen, mit denen die Kunden ihre eigenen Modevorstellungen umsetzen können. Man kann auch alte Hosen, T-Shirts und Jacken mitbringen, die man mit kunstvollen Flicken oder Farbsprays unter Anleitung neu gestalten kann. Weiterhin bietet das Atelier Kurse und Workshops an. Nachhaltig und grenzen- los kreativ soll das alles sein. Jolie, die bereits Marken-botschafterin für Louis Vuitton war und zuletzt mit der Pariser Modemarke Chloé eine eigene nachhaltige Damen-Kollektion mit entworfen hat, plant ihr nachhaltiges Atelier-Konzept auch auf andere Länder zu erweitern.

DIVA: Ms. Jolie, in Ihrem neuen Atelier in New York kann man nicht nur von Ihnen mit-designte Mode aus nachhaltigen Materialien kaufen – man kann auch seine alten Kleidern zu Ihnen bringen und diese mithilfe von Schneidern oder Designern reparieren, besprayen oder auf andere Weise upcyceln lassen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, das alles unter einem Dach zu vereinen?

ANGELINA JOLIE: Wir betrachten das „Atelier Jolie“ in erster Linie als Drehscheibe und als ein Zuhause für Künstler. Wir lassen uns dabei von den Fähigkeiten von Schneidermeistern und Designern aus der ganzen Welt inspirieren. Unsere Hoffnung war es, die Menschen zu befähigen, sich an der Kreation ihrer eigenen Mode zu beteiligen – sei es, indem sie neue Designer bei uns im Atelier entdecken, sei es, dass sie selbst mit einem Kunsthandwerker oder Schneider bei uns zusammenarbeiten. Wir möchten, dass dies ein Ort ist, an dem jeder seine eigene Vorstellungskraft ausleben, an dem er etwas kreieren oder sich spielerisch ausrücken kann. Und dazu gehört auch, dass man seine alten Kleidungsstücke neu gestaltet – oder so ein Stück auf einzigartige Weise upcycelt.

DIVA: Auf der Website Ihres Ateliers schreiben Sie: „Designer skizzieren oder genehmigen oft die Entwürfe, aber es sind letztlich die Schneider, die den Unterschied machen, und ich liebe es, gemeinsam mit ihnen etwas zu kreieren.“ Nun haben Sie ja bereits mit Gabriela Hearst, der Kreativchefin von Chloé, eine limitierte Kollektion entworfen und mit den besten Schneidern zusammengearbeitet. Was haben Sie darüber hinaus aus der bisherigen Zusammenarbeit mit dem Team Ihres Ateliers über Modedesign gelernt?

ANGELINA JOLIE: Uns war schon immer bewusst, wie viel Kunsthandwerk und Können es erfordert, um ein Kleidungsstück zu kreieren. Aber es war dann sehr bewegend zu sehen, mit welcher Sorgfalt, mit welch unterschiedlichen Ansätzen die Designer, Künstler, Schneider, Schnittmusterhersteller, Sticker und Kunsthandwerker hier arbeiten. Und dass sich ihre Fähigkeiten, ihre unterschiedlichen Hintergründe jetzt alle unter einem Dach vermischen, sich gegenseitig beeinflussen, ist eine große Ehre.

DIVA: Was Ihre Rolle im Atelier Jolie betrifft, haben Sie mal gesagt, Sie sehen sich mehr als Künstlerin denn als Geschäftsfrau. Ihr Wunsch sei es aber, dass Ihr New Yorker Atelier Keimzelle für eine Art globale Familie wird. Was genau stellen Sie sich darunter vor?

ANGELINA JOLIE: Die globale Familie um das Atelier wächst bereits. Wir haben wichtige konstruktive Projekte und Kooperationen mit Designern aus der ganzen Welt ins Leben gerufen. Weiterhin bieten wir auch Kurse in Nähen, Filzen, Drucken, Färben und Malen an. Zum Konzept der globalen Familie gehört auch unsere Partnerschaft mit dem Team von Eat Offbeat (ein von Flüchtlingen und Einwanderern betriebener Catering-Service, der seinen Hauptsitz am Chelsea Market in New York hat, Anm. d. Red.) , welches das Café im Atelier Jolie leitet.

DIVA: Sie haben nach wie vor starke Bindungen zu Kambodscha, 2002 adoptierten Sie dort Ihren ältesten Sohn Maddox, Sie drehten dort einen Film über die Schreckensherrschaft der Roten Khmer, kauften dort Land, das heute Naturschutzgebiet ist und bekamen die kambodschanische Ehrenbürgerstaatsbürgerschaft verliehen. Nun gibt es viele zahlreiche kambodschanische Upcycling-Mode-Label, die mit nachhaltigen Materialien arbeiten. Planen Sie, diese in das globale Netzwerk Ihres Ateliers einzubeziehen?

ANGELINA JOLIE: Kambodscha und seine Menschen haben mein Leben und meine Arbeit zutiefst beeinflusst, und ich empfinde großen Respekt vor dem reichen kulturellen Erbe sowie von der Handwerkskunst dieser Region. Als ich das Atelier Jolie gründete, war mir die Vision, mit regionalen Kunsthandwerkern und Schneidern zusammenzuarbeiten, eine Herzensangelegenheit. Unser Ziel ist es, diese Kunsthandwerker in unser breiteres Netzwerk aufzunehmen. Wir möchten ihnen eine Plattform bieten, auf der sie ihre großartigen Arbeiten der Welt präsentieren können. Auf diese Weise hoffen wir, einen Beitrag zum Erhalt traditioneller Handwerkskunst leisten und Communitys vor Ort unterstützen zu können, während wir gleichzeitig einzigartige, nachhaltige Mode für ein globales Publikum zugänglich machen.

DIVA: Das Gebäude Ihres New Yorker Ateliers in Great Jones Street 57 ist für Kunst-Aficionados ein fast sakraler Ort. Andy Warhol kaufte das Haus und vermietete das zweite Stockwerk ein Jahrzehnt später an seinen Freund, den afroamerikanischen Künstler Jean-Michel Basquiat. Zuletzt war in dem Haus ein japanisches Restaurant. Als Sie das Gebäude zum ersten Mal entdeckten, wussten Sie von seiner Bedeutung für die Kunstszene New Yorks?

ANGELINA JOLIE: Ich war mir der Geschichte und des Vermächtnisses dieses Gebäudes bewusst. Auch deshalb fühlte ich mich dazu hingezogen. Ich empfand eine Verantwortung dafür, die Geschichte dieses Hauses fortzuführen. Und das ist auch der Grund, warum wir betonen, dass Atelier Jolie ein Zuhause für Künstler ist. Mode ist eine Kunst – dafür stehen die Designer und Schneider im Atelier. Darüber hinaus veranstalten wir hier auch Künstlerabende, beispielsweise mit Giles Duley.

DIVA: Dem englischen Fotografen, Koch und Autor.

ANGELINA JOLIE: Ja, auch amerikanische Künstler wie Chaz Guest und Ferrari Sheppard haben hier bereits Vorträge gehalten und Residencies absolviert. Und wenn man zum Eingang hereinkommt, sieht man als Erstes nicht etwa Kleidung, sondern eine wunderschöne Skulptur von Prune Nourry. Wir stellen die Arbeiten, die Beiträge einzelner Künstler wirklich in den Mittelpunkt. Und an der Außenfassade haben wir keine Schilder angebracht, die auf das Atelier hinweisen. Vielmehr haben wir die Hausfront so belassen, wie sie ist, als Spielfläche für die Street-Artists. All das ist Teil der Geschichte dieses Gebäudes und seiner Beziehung zur Nachbarschaft.

DIVA: Es heißt, dass Sie darüber nachdenken, auch in anderen Städten Ateliers wie jenes in New York zu eröffnen?

ANGELINA JOLIE: Wir sind diesbezüglich offen für viele Optionen. Aber das Unternehmen steht ja noch am Anfang, gegenwärtig ist es noch zu früh.

© Fotos: Getty Images, beigestellt (Quelle: ICONIST)

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