Lou Pinet: Die Essenz von Saint-Tropez in einem Hotel vereint

Das Hotel Lou Pinet will seine Gäste ins Saint-Tropez der Sechziger- und Siebzigerjahre zurückbringen. Zum Bohème-Flair gibt es Kunst, eine „Beefbar" und den größten Hotelpool der Stadt.

Von Stefanie Bisping

An einer langen Tafel saßen und plauderten sie: Leonardo DiCaprio, Toby Maguire und achtzehn enge Vertraute der  beiden Superstars. „Sie waren ganz unauffällig, die anderen Gäste wurden gar nicht auf sie aufmerksam“, sagt Laurent Drouard, General Manager des am Rand von Saint-Tropez gelegenen Fünf-Sterne-Hotels Lou Pinet. Per E-Mail hatte sich die Dinner-Gesellschaft angekündigt, ohne aber Namen preiszugeben. „Nach dem Abendessen gingen sie auf die Terrasse hinaus. Auf dem Sofa da drüben hat DiCaprio gesessen.“ Hotelgäste waren sie nicht; Leonardo DiCaprio zählt zwar zu den regelmäßigen Besuchern im womöglich bekanntesten Fischerdorf der Welt, mietet aber gerne Haus oder Yacht. Wenn in der Beefbar am Abend ein DJ Musik auflegt, während der provenzalische Rosé in Strömen fließt und hauchzarte, auf den Punkt gegrillte Steaks von zertifiziertem japanischen Kobe-, australischen Wagyu- und amerikanischen Prime Black Angus-Rind aus der Küche kommen, sind Hotelgäste tatsächlich in der Unterzahl. „Viele Restaurantgäste kennen die Beefbars von Riccardo Giraudi aus Monaco, Mykonos oder Paris und kommen deshalb zu uns“, so Drouard. Achtzig Prozent der Dinner-Gäste wohnen nicht im Hotel; zu ihnen zählen Prominente wie die Clique DiCaprios oder Roger Federer mit Familie. Und obwohl sie hier sehr gut essen - über der Beefbar in Hongkong leuchtet ein Michelin-Stern, die des Lou Pinet scheint nicht weit davon entfernt -, verpassen sie dennoch das Vergnügen, wenige hundert Meter vom Place des Lices in Saint-Tropez entfernt die Stille eines ländlichen Morgens in Südfrankreich zu erleben.

Mit vierunddreißig Zimmern und Suiten in mehreren um den größten Hotelpool in Saint-Tropez gruppierten Gebäuden ist das Hotel Lou Pinet übersichtlich - in den Hügeln über dem Golf von Saint-Tropez hat manches private Heim ähnliche Dimensionen. Aprikosenfarbene Fassaden, grüne und graue Fensterläden, rote Ziegeldächer, schlanke Zypressen, die von Pinien beschattete Terrasse und zahlreiche Kunstobjekte verstärken  den Eindruck eines geschmackvollen Landsitzes. „Unsere Eltern und Großeltern haben früher mit uns in Saint-Tropez Urlaub gemacht", erzählt Mitinhaberin Leslie Kouhana. „Das wunderschöne Fischerdorf, die Einfachheit des Lebens, die ursprüngliche Atmosphäre - das alles wollten wir mit unserem Hotel erlebbar machen." Um diesen Effekt zu erzielen, suchten sie und ihre Schwester Kimberley Cohen jedes Möbelstück, jedes Wohnaccessoire, jedes Bild an den Wänden und jedes Kunstobjekt selbst aus. „Einige Werke haben wir unseren Eltern abgeschwatzt, die Kunst sammeln." Persönlich und familiär wie in einem Privathaus sollte es außerdem zugehen. Das bedeutet, dass es Zimmerschlüssel gibt statt Karten, Espadrilles statt gewöhnlicher Hotelbadeschlappen und am Pool neben Liegen auch Hängematten. „Wir haben alles so eingerichtet, wie wir es für uns selbst haben wollten."

Ihr Vater Patrick Pariente gründete 1973 das Modeunternehmen Naf Naf, das über Jahrzehnte auch mit einer Boutique am Hafen von Saint-Tropez vertreten war. 2007 verkaufte er die Marke und wechselte einige Jahre später zusammen mit den Töchtern Leslie und Kimberley in die Hotellerie. 2017 erwarb die Familie das Anwesen in Saint-Tropez, das schon zuvor ein Leben als Hotel geführt hatte. Nach zweijähriger Umgestaltung eröffnete es 2019 unter neuem Namen - „Lou Pinet" ist die provenzalische Entsprechung für die Pinie - und im von Architekt Charles Zana und Innenarchitekt Franҫois Vieillecroize geschaffenen Look aus natürlichen Farben und Materialien wie Terrakotta, Leinen, Bast, Holz und Keramik. Ein Faible für das Flair des Midi und die langjährige Liebe zu Saint-Tropez verband die beiden Architekten mit der Inhaberfamilie, die seit den Sechzigerjahren ihre Sommerurlaube hier verbrachte und nun in vierter Generation für das Städtchen entbrannt ist. Landschaftsarchitekt Jean Mus aus Saint-Tropez erhielt den alten Baumbestand und schuf mit einem kleinen Lavendelfeld, einem Gemüsegarten und  heimischen Pflanzen den Eindruck eines alten mediterranen Gartens. Mittlerweile betreibt die Familie vier kleine Fünf-Sterne-Hotels; neben dem Lou Pinet gehören das Crillon-le-Brave in der Provence, Le Coucou in Méribel und ein Haus in Paris zu den Maisons Pariente.

Kunstwerke von Turner-Preisträger Sir Tony Cragg und des Schweizer Künstlers Ugo Rondinone schmücken die öffentlichen Bereiche, die Farben im Restaurant erinnern an Arbeiten von Matisse. In den Zimmern setzen Bildbände, getrocknete Blumen, bunte Kissen, provenzalisches Kunsthandwerk und moderne Gemälde an weißen Wänden sparsame Akzente. Ansonsten ist das Licht des Südens ein beherrschendes Stilelement: Flügeltüren lassen im ersten Stock durch weiße Gardinen das Morgenlicht ins Zimmer, bei Tag leuchten Pool und Terrasse in klarstem Licht, später schauen die Gäste zu, wie die sinkende Sonne Garten und Hügel in goldene Töne taucht. Zwischendurch könnte man sich im Spa vergnügen, bei einem Glas Rosé am Pool die Zeit verstreichen lassen, am Plage de Pampelonne ins Meer tauchen oder ins Städtchen ausfliegen - der Shuttle schafft die Strecke bis zur Rückseite des Hotels Byblos oberhalb des Place des Lices in wenigen Minuten. Zu Fuß gelangt man in zwanzig Minuten von der kunstvollen Einfachheit des Seins ins Herz des Geschehens, mit Espadrilles an den Füßen und einer Basttasche über der Schulter.

Das Hotel Lou Pinet schafft keine Illusion. Das alte Saint-Tropez existiert tatsächlich noch, auch wenn man an einem heißen Sommertag, wenn sich Menschenmengen über den Quai Suffren und zur Zitadelle hinaufschieben, genau hinschauen muss. Die Schönheit des Hafens mit seinen Cafés an der einen und den Riesenjachten an der anderen Seite, der Reiz der schmalen Gassen und des Place des Lices, auf dem sich wie immer schon am Spätnachmittag ältere Herren zum Pétanque, andere zum Pastis im Café des Arts treffen, haben überdauert. Dank äußerst restriktiver Bauvorschriften ist Saint-Tropez im Kern so, wie Brigitte Bardot und Roger Vadim es 1955 bei den Dreharbeiten zu „Und ewig lockt das Weib" vorfanden. Bardot, im Alter politisch abgedriftet, liebt den Ort noch immer und lebt auch noch immer hier; durch ihre öffentliche Liebesbekundung für das schon von Picasso, Juliette Gréco und Franҫoise Sagan geschätzte Dorf initiierte sie seinerzeit den ersten großen Besucheransturm. Seither führt das Städtchen mit viertausend Einwohnern ein Doppelleben zwischen Jetset und Massentourismus einerseits und südfranzösischer Lebenslust andererseits. Trotz der Nobel-Boutiquen, die Buchhandlungen und Ateliers der Siebzigerjahre ersetzt haben, ist der Zauber noch spürbar: morgens auf dem kleinen Fischmarkt, auf dem noch immer zwei Fischerfamilien ihren Fang anbieten; hinter dem alten Hafen, wo das Wasser bis kurz vor die Fassaden der alten Häuser schlägt; und spätabends im Hafen. Wenn sich die Straßen leeren und die Jachten im Hafen ihre Gangways einklappen, schieben die Gäste im Restaurant La Petite Plage oder im Noto gleich daneben ihre Stühle weg und tanzen. 

Information
Schlafen: Das Hotel Lou Pinet öffnet 2025 vom 7. Mai bis zum 5. Oktober. Das Doppelzimmer mit Frühstück kostet ab 550 Euro.Näheres: Hotel Lou Pinet, 70 chemin du Pinet, 83990 Saint-Tropez, Tel.+33 (0) 4 94 97 04 37, www.loupinet.com.

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