Zwischen Paisley und Palmen: Etros erste Residenzen in Thailand

Die kreative Welt von Etro wächst über Mode hinaus. Die Residences auf Phuket verschränken italienische Designtradition, tropische Umgebung und stille Rückzugsmomente zu einem Gesamterlebnis.

Von Alexander Pfeffer

Modelabels haben längst damit begonnen, ihre Markenwelt weit über den Kleiderschrank hinaus auszudehnen. Was früher auf Stoffe, Accessoires und Laufstege beschränkt blieb, materialisiert sich heute in Hotels, Restaurants und zunehmend auch in Immobilien. In dieser Entwicklung erscheint das jüngste Projekt von Etro fast folgerichtig: Mit den Etro Residences auf Phuket übersetzt das Mailänder Haus seine ikonische Ornamentik erstmals konsequent in Architektur und Lebensraum.

Der Ort ist bewusst gewählt. Die acht Residenzen liegen innerhalb der weitläufigen Anlage Gardens of Eden auf der thailändischen Insel Phuket, nur wenige Schritte vom Bang Tao Beach entfernt. Statt eines spektakulären Großprojekts setzt man auf eine Strategie der kontrollierten Knappheit: acht Einheiten, nicht mehr. In einer Immobilienwelt, die oft von immer neuen Türmen und immer höheren Zahlen lebt, wirkt diese Entscheidung fast altmodisch – und gerade deshalb luxuriös.

Entworfen wurde das Projekt von The One Atelier in Zusammenarbeit mit dem Entwickler Amal Development. Der Versuch bestand darin, die visuellen Codes des Hauses – Farbe, Textur und Muster – aus der Welt der Textilien in räumliche Kompositionen zu überführen. Das ist keineswegs trivial. Die Gefahr einer allzu illustrativen Markenarchitektur liegt immer nahe: ein Haus, das aussieht wie eine überdimensionierte Handtasche. Die Etro Residences vermeiden diese Falle, indem sie weniger auf plakative Zitate setzen als auf atmosphärische Übersetzungen.

Die Farbpalette orientiert sich an der Landschaft der Andamanensee: tiefe Blau- und Grüntöne, ergänzt durch helle, sonnengebleichte Nuancen. Samtstoffe, handwerklich bearbeitetes Holz und polierter Marmor bilden ein Interieur, das zugleich opulent und ruhig wirkt. Man erkennt darin den Versuch, italienische Wohnkultur mit tropischer Leichtigkeit zu verschränken. Besonders deutlich wird das in den großen Glasflächen, die Innen- und Außenraum beinahe auflösen. Die Architektur rahmt die Landschaft, statt sie zu dominieren.

Die Wohnungen selbst sind großzügig dimensioniert: Apartments mit rund 220 Quadratmetern sowie Penthäuser mit mehr als 430 Quadratmetern Fläche. Doch die eigentliche Dramaturgie liegt weniger in der Größe als in der Inszenierung eines Lebensstils. Yoga-Wiesen, Meditationspfade, verschiedene Poollandschaften und personalisierte Gesundheitsprogramme bilden eine Infrastruktur, die Wohnen als kuratierte Erfahrung versteht. Der Begriff „Residence“ bekommt hier einen beinahe kontemplativen Unterton: Rückzug, Selbstoptimierung, stiller Luxus.

Damit fügt sich das Projekt in einen globalen Trend ein, den man als räumliche Expansion der Marke beschreiben könnte. Modehäuser versuchen zunehmend, ihre ästhetische DNA in gebaute Umwelt zu übersetzen. Architektur wird zum Medium der Markenidentität. Wer hier lebt, kauft nicht nur Quadratmeter, sondern eine Haltung, eine Atmosphäre, vielleicht sogar eine narrative Idee vom eigenen Leben.

Gerade bei Etro ist diese Übersetzung besonders interessant. Das Haus, 1968 in Mailand gegründet, hat seine Identität über Jahrzehnte aus ornamentaler Üppigkeit, Paisley-Mustern und einer fast literarischen Vorstellung von Bohème entwickelt. Eine solche visuelle Sprache in Architektur zu übertragen bedeutet, ein sensibles Gleichgewicht zu finden: Zu viel Ornament würde schnell manieriert wirken, zu wenig ließe die Handschrift des Hauses verblassen.

Die Etro Residences bewegen sich genau in diesem Spannungsfeld. Spektakulär sind sie nicht im lauten Sinn der Luxusarchitektur; ihr Reiz liegt in der stillen Präzision von Materialien, Farben und Proportionen. Während viele Prestigeimmobilien auf Größe, Höhe oder Sichtbarkeit setzen, sucht dieses Projekt seine Wirkung in der Atmosphäre. Am Ende ist es weniger ein Gebäude als eine räumliche Idee von Stil – und vielleicht genau darin liegt sein eigentlicher Luxus.

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