Sonne, Stil, Substanz
Farben, Stoffe und Begegnungen in Mosambik inspirierten die Kärntner Designerin Gina Drewes zur „Bonguile“-Kollektion, die nicht nur Mode sein will, sondern auch konkrete Hilfe ermöglicht.
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Es beginnt nicht mit einer Trendstudie, nicht mit einem Moodboard, sondern mit einem Gespräch unter afrikanischer Sonne. Mosambik, irgendwo zwischen Küstenstraßen, Palmen und dem Rhythmus des Indischen Ozeans: Gina Drewes sitzt dort gemeinsam mit ihrem Mann Martin und Juliet Lyon von der gemeinnützigen Organisation „ParCo“. Es geht um Spenden, um Verantwortung und um die konkrete Wirkung von Hilfe. „Sie hat mir erzählt, was die monatlichen Spenden meiner Familie für das Bonguile Project tatsächlich bewirken“, erinnert sich Drewes im Gespräch mit der DIVA. Die Vorschule in Mosambik ermöglicht Kindern bereits in jungen Jahren Zugang zu Bildung. „Wir unterstützen das Projekt seit acht Jahren. Aber in diesem Moment wurde es plötzlich greifbar. Das hat mich sehr berührt.“ Was daraus entstand, ist keine klassische Resort-Kollektion, keine folkloristische Interpretation Afrikas, sondern ein sehr persönliches Projekt über Verbindung, Respekt und den Versuch, Mode sinnvoll zu machen: die „Bonguile Collection“.
Inspiration aus Mosambik
„Ich habe Juliet damals ganz direkt gefragt: ‚Was kann ich noch tun? Wie kann ich mehr geben?‘“, erzählt Drewes. Die Antwort kam überraschend schnell, in Form von Capulanas, jenen farbintensiven Stoffen, die in Mosambik zum Alltag gehören und dort traditionell als Tücher getragen werden. „Die Idee war plötzlich ganz klar: Warum nicht daraus alltagstaugliche Sets entwickeln, die diese Energie transportieren und gleichzeitig etwas zurückgeben? Am nächsten Tag stand ich schon im Stoffgeschäft“, so Drewes.

Was die Kollektion besonders macht, ist ihre Ehrlichkeit. Drewes versucht nicht, afrikanische Ästhetik einfach zu exportieren oder exotisch zu inszenieren, stattdessen übersetzt sie ein Lebensgefühl. „Für mich liegt die Balance darin, nicht etwas zu kopieren, sondern etwas Neues zu gestalten, das in beiden Kulturen funktioniert“, sagt sie. „Capulanas würden im europäischen Alltag kaum funktionieren. Deshalb habe ich die Energie,
Farben und Lebensfreude dieser Stoffe in ein alltagstaugliches Unisex-Set aus Shorts und Shirt übersetzt.“ Die Silhouetten wirken entspannt, fast beiläufig. Genau darin liegt ihre Stärke: sommerliche Zweiteiler, sportlich und leicht, irgendwo zwischen Beach Club, Roadtrip und Contemporary Resort Wear. Und doch bleibt die Verbindung nach Mosambik zentral. Drewes arbeitet eng mit einem Designer aus Vilankulo zusammen. „Sein positives Feedback zur Kampagne und den Styles zeigt mir, dass dieser Weg wertschätzend und authentisch ist“, sagt sie. „Das war mir unglaublich wichtig.“
Vielleicht ist genau das der Unterschied zu vielen Charity-Projekten in der Modewelt: Die „Bonguile Collection“ wirkt nicht wie ein nachträglich aufgesetzter sozialer Gedanke, sondern ein solcher ist ihr Ursprung. 35 Prozent des Reinerlöses fließen direkt an das Bonguile Project. „Die Kollektion ist genau aus diesem Gedanken heraus entstanden: dem Schulprojekt finanziell noch mehr helfen zu können“, erzählt sie. „Jedes verkaufte Set ist für mich eine gelebte Spende.“
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Was Wirklich bleibt
Besonders wichtig sei ihr die Transparenz. „Ich weiß ganz genau, was damit passiert: ob ein Spielplatz repariert wird, neue Schulmaterialien angeschafft werden oder Lehrergehälter gesichert sind. Genau diese direkte Verbindung macht das Projekt für mich so besonders.“ Innerhalb ihres Labels Monkey on my Shoulder fügt sich die „Bonguile Collection“ fast selbstverständlich ein. Während Drewes’ Couture-Arbeiten oft von hoher Eleganz und präziser Handwerkskunst geprägt sind, erlaubt ihr das Label eine andere Form von Kreativität. „Dort erlaube ich mir eine spielerischere, freiere Form von Design“, sagt sie, „Dinge, die so nicht unbedingt in meine Couture-Linie passen.“ Das Ergebnis ist eine Kollektion, die Leichtigkeit ausstrahlt; sportlich, sommerlich, unisex. Kleidung für Menschen, die Bewegung lieben und Geschichten dahinter schätzen. Dass Drewes mit Monkey on my Shoulder auch junge Wakeboard-Talente unterstützt, passt dabei symbolisch ins Bild.
Und vielleicht ist genau das die eigentliche Essenz dieser Kollektion: dass sie nicht aus Distanz entstanden ist, sondern aus echter Begegnung. Denn was Gina Drewes aus Mosambik mitgenommen hat, geht weit über Stoffe und Farben hinaus. „Man lernt Demut und bekommt eine ganz neue Perspektive“, sagt sie leise. „Wenn man in Afrika wirklich eintaucht und sich auf die Menschen und das Leben dort einlässt, werden viele unserer alltäglichen Luxusprobleme plötzlich sehr relativ.“
Fotos: siweiss photography
