Snoopy kann Mode

Snoopy war lange vor Instagram ein Meister der Selbstinszenierung. Jetzt widmet ihm New York eine Ausstellung und zeigt, wie aus dem weißen Beagle eine erstaunlich langlebige Stilfigur wurde.

Von Alexander Pfeffer
Die Comicfigur Snoopy mit rotem Schal geht über einen Zebrastreifen in einer typischen New Yorker Straßenschlucht.

Snoopy hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber den meisten Modeikonen: Er muss nicht altern. Während Menschen ihre Jugend konservieren, Trends wiederbeleben und sich für jede neue Saison eine neue Identität zulegen, bleibt Snoopy einfach Snoopy. Weißes Fell, schwarze Ohren, schwarze Nase. Wenn er etwas verändern will, setzt er eine Sonnenbrille auf. Oder einen Pullover. Oder er beschließt, Schriftsteller zu sein. Mehr Aufwand braucht es nicht.

In New York ist ihm seit dem 2. September die Ausstellung „Snoopy in Style“ gewidmet. Sie untersucht die Verbindung zwischen Peanuts und Mode, mit historischen Zeichnungen und Produkten, Kleidungsstücken und Arbeiten heutiger Designer. Christopher John Rogers, Bode und Willy Chavarria haben für die Schau eigene Snoopys und Woodstocks gestaltet.

Snoopy war ein Influencer, bevor jemand das Wort kannte. Seine Stärke liegt in einer ziemlich einfachen Konstruktion. Charles M. Schulz verstand früh, dass eine Figur nicht viel braucht, um unverwechselbar zu werden. Charlie Brown bekam seinen Zickzackstreifen. Linus seine Streifen und seine Decke. Sally ihre Punkte. Peppermint Patty ihre Flip-Flops. Es sind keine aufwendigen Kostüme. Es sind Signaturen. Und genau so funktionieren starke Modemarken: Ein Muster, eine Silhouette, ein Accessoire, manchmal reicht ein einziges Detail, damit man weiß, wer gemeint ist.

Schulz selbst war offenbar empfänglich für solche Details. Der Zeichner, den sein Umfeld „Sparky“ nannte, mochte Pullover und Muster. Einige seiner Kleidungsstücke sind in der Ausstellung zu sehen, darunter ein Argyle-Pullover und ein Oberteil mit Flammenmotiv. Der große Sprung von der Comicseite in die Modewelt gelang Peanuts allerdings nicht über Designer, sondern über Produkte. Schon in den 1960er-Jahren wurden die Figuren auf Kalender, Kleidung, Plüschtiere und vieles mehr gedruckt. Aus einem Zeitungscomic wurde eine Marke, die man ins Kinderzimmer stellen und am Körper tragen konnte.

Snoopy erwies sich dabei als besonders wandelbar. Er konnte Pilot sein, Musiker, Schriftsteller oder einfach Joe Cool. Sonnenbrille auf und fertig war die Haltung. Das Entscheidende: Er versucht nie wirklich, ein Mensch zu sein. Er spielt nur einen. Vielleicht ist genau das sein modisches Talent. Designer können die Figur verändern, ohne ihre Identität zu verlieren. Ein anderes Material, ein neues Muster, eine ungewohnte Oberfläche und der Beagle sieht anders aus, bleibt aber sofort erkennbar.

Das macht Snoopy für die Gegenwart interessanter, als es seine Entstehung im Jahr 1950 vermuten lässt. Während Mode ständig nach neuen Bildern sucht, besitzt er längst eines, das nicht neu erfunden werden muss. Natürlich hat die Ausstellung auch das Inventar einer zeitgenössischen Erlebniswelt: inszenierte Räume, ein Café, Möbel mit Peanuts-Silhouetten, einen Listening Room und einen Shop, den Sarah Andelman, die frühere Gründerin des Pariser Concept Stores Colette, kuratiert hat. Man kann darüber die Augen verdrehen. Oder anerkennen, dass Snoopy den Wettbewerb um Aufmerksamkeit schon vor langer Zeit verstanden hat. Er posiert. Er wechselt Rollen. Er trägt Sonnenbrillen. Er macht sich selbst zur Marke. Und wenn man es genau nimmt, war Snoopy damit nicht hinter der Mode her. Die Mode war hinter Snoopy her.

© Fotos: Snoopy

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