Die Gesichter Hollywoods

Hollywood lebt von Bildern. Kaum jemand verstand das so gut wie Richard Avedon. Seine Porträts zeigen Schauspieler und Regisseure, aber auch Politiker und die Strippenzieher der Filmindustrie. Gagosian widmet ihm eine Ausstellung in Beverly Hills.

Von Alexander Pfeffer

Clint Eastwood blickt zur Seite, Sharon Stone hebt lachend den Arm. Hinter den beiden drängen sich Fotografen, Kameras und Blitzlichter. Es ist der 29. März 1993, die Nacht der Academy Awards in Los Angeles. Richard Avedon hält einen Moment fest, der mehr über Hollywood erzählt als manches Filmporträt. Die Aufnahme ist Teil der Ausstellung „Richard Avedon: Hollywood“, die Gagosian bis 19. Dezember in Beverly Hills zeigt.

Avedon interessierte sich für solche Augenblicke ebenso wie für sorgfältig inszenierte Einzelporträts. Marilyn Monroe fotografierte er 1957 im Paillettenkleid, die Arme hinter dem Kopf, den Mund weit geöffnet. Das Bild zeigt die Schauspielerin in einer beinahe ausgelassenen Bewegung. Elizabeth Taylor wiederum trägt auf einer Aufnahme von 1964 einen ausladenden Kragen aus Federn von Anello of Emme. Ihr Blick ist ruhig, die Inszenierung umso dramatischer.

Auch Ronald Reagan gehört zu dieser Galerie. Avedon fotografierte ihn 1976 in Orlando, damals noch als ehemaligen Gouverneur Kaliforniens. Jahre später wurde Reagan Präsident der Vereinigten Staaten. Dass sich unter Avedons Hollywood-Porträts auch vier amerikanische Präsidenten finden, ist kein Zufall. Ihn interessierte die Filmindustrie nicht allein wegen ihrer Schauspieler. Er richtete seine Kamera ebenso auf Produzenten, Agenten, Studiomanager, Finanziers und Kritiker. Auf jene Menschen, die hinter den Kulissen über Karrieren und öffentliche Wahrnehmung entschieden.

Seine eigene Beziehung zum Kino war eng. 1956 arbeitete Avedon in Paris an „Funny Face“ mit Audrey Hepburn und Fred Astaire. Das Musical von Stanley Donen war lose von seinem Leben als Modefotograf inspiriert. Fred Astaire spielte einen Fotografen, dessen Figur deutlich an Avedon angelehnt war. Der Fotograf beriet die Produktion und gestaltete die fotografischen Sequenzen. Kurzzeitig erwog er sogar, seine Karriere aufzugeben und selbst Filme zu drehen. Doch er blieb bei der Fotografie.

Mehr als 120 Fotografien aus über fünf Jahrzehnten umfasst die Schau. Von Charlie Chaplin, Humphrey Bogart und Katharine Hepburn bis zu Tilda Swinton, Ralph Fiennes und Philip Seymour Hoffman reicht das Spektrum. Auch Filme wie „The Wizard of Oz“, „Funny Face“ und „In Cold Blood“ bilden Bezugspunkte der Ausstellung. Kuratiert wurde sie von der Richard Avedon Foundation, das Ausstellungskonzept stammt von Cécile Degos.

Hollywood hat seine eigenen Bilder von sich geschaffen. Avedon wusste, wie man sie fotografiert. Und manchmal auch, wie man dahinterblickt.

Fotos © Richard Avedon

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