Neue Ära für Santa Maria Novella

Wie viel Veränderung verträgt eine Beauty-Institution mit 800 Jahren Geschichte? Santa Maria Novella holt das Designstudio Formafantasma an Bord. Andrea Trimarchi und Simone Farresin übernehmen die kreative Leitung und sollen die traditionsreiche Florentiner Officina in die Zukunft führen.

Von Yasmin El Mohandes
Historischer Verkaufsraum der Officina Profumo-Farmaceutica di Santa Maria Novella in Florenz mit edlen Seifen auf einem Holztisch und antikem Interieur.

1221 gegründet, 1612 als Apotheke geöffnet und bis heute in Betrieb: Santa Maria Novella gehört zu den ältesten Namen der Beauty-Welt, die seit Jahrhunderten Parfums, Seifen, Cremes und andere Rezepturen herstellt. Jetzt bekommt die Florentiner Institution zwei Designer als kreative Leiter. Andrea Trimarchi und Simone Farresin von Formafantasma sollen allerdings nicht alles neu machen.

Im Gegenteil. Ihr erster Blick gilt dem, was bereits da ist: den Rezepturen, den Zutaten, den Herstellungsmethoden, den Objekten und den Räumen, in denen sich das Wissen der Officina über Generationen angesammelt hat. Das Produkt soll dabei im Mittelpunkt stehen. Erst danach geht es um Verpackung, Kommunikation, Geschäfte und Veranstaltungen.

Das ist eine ungewöhnliche Ausgangslage für ein Designstudio. Denn Santa Maria Novella lässt sich kaum auf ein neues Markenbild reduzieren. Die Geschichte beginnt bei den Dominikanermönchen, die nach ihrer Ankunft in Florenz Heilkräuter für die Krankenstation ihres Klosters anbauten und daraus Arzneien herstellten. Aus den Kräutern wurden später Duftwasser und Parfums. 1533 entstand für Caterina de’ Medici, damals noch keine Königin von Frankreich, „Acqua della Regina“. Der Duft ist bis heute im Sortiment.

Formafantasma interessieren sich genau für diese Schichten. Andrea Trimarchi und Simone Farresin arbeiten häufig dort, wo Design auf Material, Herstellung und Geschichte trifft. Für Artek etwa beschäftigten sie sich mit Birkenholz und ließen bei Möbeln bewusst Äste, Farbunterschiede und andere natürliche Spuren sichtbar. Bei Santa Maria Novella treffen sie nun auf eine Marke, bei der solche Spuren nicht erst gesucht werden müssen. Sie sind überall.

Das macht den Auftrag komplizierter als ein gewöhnliches Rebranding. Santa Maria Novella hat seine eigene Sprache längst gefunden: in den Rezepturen, den Flakons, den Schachteln, den historischen Räumen. Formafantasma sollen diese Sprache nicht ersetzen, sondern verstehen, warum sie über Jahrhunderte funktioniert hat und was sich daraus für die Zukunft ableiten lässt.

Die beiden Designer sprechen deshalb weniger vom Neuanfang als von Kontinuität. Eine Geschichte, die 1221 beginnt, lässt sich ohnehin nicht neu erfinden. Man kann nur entscheiden, was man davon weiterträgt.

© Fotos: Formafantasma Santa Maria Novella

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