Melides: Portugals neuer Sehnsuchtsort
Christian Louboutin eröffnete hier sein erstes Hotel. Für Philippe Starck und Anselm Kiefer ist Melides längst ein zweites Zuhause. Ein Streifzug durch Portugals spannendstes Küstendorf.

Die markante blaue Fassade des Boutiquehotels Vermelho Melides von Christian Louboutin an der portugiesischen Alentejo-Küste.
Lange war Melides ein Dorf, das man eher zufällig entdeckte als gezielt bereiste. Der kleine Ort an der Alentejo-Küste, rund eineinhalb Autostunden südlich von Lissabon, lag im Schatten des benachbarten Comporta. Während dort Strandhäuser, Boutiquen und Designhotels internationale Aufmerksamkeit auf sich zogen, blieb Melides weitgehend unentdeckt.
Als Christian Louboutin 2023 mit dem Vermelho Melides sein erstes Hotel eröffnete, rückte das 1.500-Einwohner-Dorf schlagartig auf die internationale Bühne. In Künstler- und Kreativkreisen genoss Melides jedoch längst einen besonderen Ruf. Der britische Maler Jason Martin ließ sich hier schon 2007 nieder, auf der Suche nach einem Refugium fernab der Gentrifizierung. Auch der deutsche Künstler Anselm Kiefer, der belgische Architekt Vincent Van Duysen und der französische Designer Philippe Starck haben sich in Melides niedergelassen.
Dass der Ort seinen Charakter bewahren konnte, ist kein Zufall. Strenge Bauvorschriften begrenzen die Bebauung entlang der Küste. Zwischen Pinienwäldern, Korkeichen und Dünen entstehen deshalb keine Hotelburgen, sondern Häuser, die sich in die Landschaft einfügen.

Vermelho Melides
Wie sich dieser Anspruch in Architektur übersetzt, zeigt das Vermelho Melides. Christian Louboutin verbindet dort historische Azulejos, portugiesisches Kunsthandwerk und eigens entworfene Möbel zu einem opulenten, aber überraschend persönlichen Hotel. Im hauseigenen Xtian Restaurant wird die Küche des Alentejo modern interpretiert. Wer hier übernachtet, versteht schnell, warum Gestaltung in Melides mehr ist als bloße Ästhetik.
Wie eng Architektur und Kunst in Melides miteinander verbunden sind, zeigt auch das Casa Arte. Das Haus ist Teil der Initiative Melides Art und steht beispielhaft für eine Entwicklung, bei der Wohnen, Kunst und Landschaft selbstverständlich ineinandergreifen. Statt spektakulärer Architektur geht es um Räume, die den Blick nach außen lenken und die Umgebung zum eigentlichen Mittelpunkt machen. Mit Pa.te.os hat Manuel Aires Mateus eine Anlage geschaffen, die exemplarisch für die reduzierte Architektursprache der Region steht. Sichtbeton, Naturmaterialien und großzügige Innenhöfe treten hier in einen Dialog mit der Landschaft, statt sie zu dominieren.


Zur Identität von Melides gehört längst auch seine Gastronomie. Im traditionsreichen O Melidense kommen klassische Gerichte des Alentejo auf den Tisch. Internationale Aufmerksamkeit erhielt das Restaurant kürzlich, nachdem auf einem von Meghan Markle veröffentlichten Urlaubsfoto seine Speisekarte zu erkennen war. Noch immer sitzen hier Einheimische neben Wochenendgästen aus Lissabon. Für Fisch und Meeresfrüchte gilt Tia Rosa als feste Adresse, während das Xtian Restaurant im Vermelho Melides zeitgenössische portugiesische Küche serviert. Wer ein Stück Melides mit nach Hause nehmen möchte, sollte außerdem bei Vida Dura vorbeischauen. Der kleine Laden für Keramik, Leinen und Blumen zählt zu den schönsten Adressen des Dorfes. Christian Louboutin empfiehlt ihn selbst, auch Janet Jackson schwärmte nach ihrem Aufenthalt in Melides öffentlich von Inhaber Rui Freitas.

Parallel dazu wächst das Interesse internationaler Investoren. Projekte wie der CostaTerra Golf & Ocean Club zeigen, welches Potenzial die Region besitzt. Medienberichten zufolge sollen dort inzwischen auch Prinz Harry, George Clooney und Sharon Stone Immobilien erworben haben, ein weiteres Zeichen dafür, dass die Region längst zu den exklusivsten Rückzugsorten Europas gehört.
© Fotos: Vermelho Melides
