Interview mit Stella McCartney

Von Yasmin El Mohandes

DIVA: Diese Partnerschaft ist ihre zweite gemeinsame Kollektion mit H&M, zwanzig Jahre nach der ersten. Warum fühlte es sich jetzt richtig an, die Zusammenarbeit wieder aufleben zu lassen?

STELLA MCCARTNEY: Es fühlt sich jetzt richtig an, weil die gesellschaftliche Diskussion endlich aufgeholt hat. Vor zwanzig Jahren wurde ich als „Öko-Spinnerin“ bezeichnet, weil ich über Mode ohne Tierleid und alternative Materialien gesprochen habe, obwohl sich damals kaum jemand dafür interessierte. Es konnte sich damals ziemlich einsam anfühlen, diese Themen voranzutreiben. Heute wissen wir, dass der größte Umwelteinfluss in der Mode davon abhängt, woraus Kleidung besteht und wie sie hergestellt wird. Konventionelle Baumwolle verbraucht enorme Mengen an Wasser und Chemikalien, und neue synthetische Materialien basieren auf fossilen Brennstoffen.

In dieser Kollektion verwenden wir Bio-Baumwolle, recyceltes Polyester, sowie Textilien aus landwirtschaftlichen Abfällen. Diese Materialien haben im Vergleich zu herkömmlichen Alternativen eine geringere Umweltbelastung. Selbst die Verzierungen bestehen aus recyceltem Glas und Metall. Die erneute Zusammenarbeit mit H&M ist eine Gelegenheit, zu zeigen, wie weit wir gekommen sind, und auch ehrlich zu bleiben, wie viel noch zu tun ist. Durch die große Reichweite von H&M werden solche Entscheidungen nicht mehr nur eine Nische bedienen, sondern zur Normalität.

Frau in oversized grauem Anzug mit funkelndem, fransenbesetztem Top, frontal vor neutralem Hintergrund fotografiert

Blazer €279, Bra €199, Hose €149
Foto: Pascal Schrattenecker

Frau im beigen Trenchcoat mit schwarzem Top und Jeans mit glitzerndem Cut-out-Detail, draußen vor Betonwand

Trench Coat €199, Top €149, Tasche €199, Jeans €149
Foto: Pascal Schrattenecker

Frau in schimmerndem silbernen Outfit steht in einem Aufzug mit warmem Licht und blickt nach oben

Hemd €199, Gürtel €59,99, Hose €199, Tasche €129
Foto: Pascal Schrattenecker

DIVA: Worin unterscheidet sich diese neue Kollektion von
der ersten, und worin ähnelt sie ihr?


STELLA MCCARTNEY: Die Grundidee ist sehr ähnlich, aber die Mittel haben sich stark verändert. Seit Beginn meiner Marke habe ich daran geglaubt, dass erschwingliche Mode nicht auf Kosten von Werten gehen darf. Ich habe nie Leder, Federn, Pelz oder exotische Tierhäute verwendet. Was sich verändert hat, ist, dass die Materialien inzwischen mit dieser Vision mithalten können. Wir können heute mit Perlen aus recyceltem Glas, recycelten Fasern und RWS-zertifizierter Wolle arbeiten, ohne Kompromisse bei Design oder Haptik einzugehen.

Recyceltes Polyester reduziert die Abhängigkeit von neuem Erdöl, und Bio-Baumwolle wird ohne künstliche Pestizide oder Düngemittel angebaut. Beide Materialien sehen gut aus und fühlen sich gut an. Was sich nicht verändert hat, ist meine klare Haltung gegen Leder und Pelz sowie mein Glaube daran, dass Mode gleichzeitig begehrenswert, modern und verantwortungsvoll sein kann. Diese Beständigkeit prägt meine Arbeit seit über zwei Jahrzehnten.

DIVA: Diese Kollektion blickt auf die Geschichte Ihrer Marke zurück.
Wie haben Sie entschieden, was Sie aufnehmen?

STELLA MCCARTNEY: Die Arbeit mit meinem Archiv hat viel Energie und Freude zurückgebracht. Dennoch sollte es sich nicht wie ein Museum anfühlen, sondern lebendig wirken. Wir haben Stücke ausgewählt, die unsere Identität besonders gut widerspiegeln, und sie mit Designs kombiniert, die zeigen, wo die Marke heute steht. Zum Beispiel gibt es eine Bomberjacke aus landwirtschaftlichen Abfällen mit einer Beschichtung, die teilweise aus pflanzlichem Öl besteht. Ich war immer überzeugt, dass Materialien genauso wichtig sind wie die Silhouette, weil sie den größten Einfluss auf die Umweltbilanz der Mode haben. Diese Kollektion ist ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart und zeigt, wie lange diese Werte schon Teil meiner Arbeit sind.

Frau im trägerlosen Kleid mit Kirschmuster steht auf einem Balkon und telefoniert mit Handy

Kleid €249, Kette €89,99, Slingbacks €199
Foto: Pascal Schrattenecker

Frau sitzt auf Stuhl und trägt eine Bomberjacke mit Schlangenprint, weißes Stella-Top und weite Jeans in hellem Studio

Bomberjacke €199, Body €29,99, Jeans €99, Slingbacks €199
Foto: Pascal Schrattenecker

Frau im roten drapierten Kleid lehnt seitlich an einem Metalltisch in minimalistischem Raum

Dress €129
Foto: Pascal Schrattenecker

Schwarzweißaufnahme einer Frau in fließendem weißen Kleid, die an einer Wand neben einem Regal lehnt

Kleid €199, Slingbacks €199
Foto: Pascal Schrattenecker

DIVA: Welche frühen Momente oder Designs haben Sie wieder
aufgegriffen, und warum gerade jetzt?


STELLA MCCARTNEY: Viele meiner frühen Arbeiten drehten sich um Selbstbewusstsein und Langlebigkeit. Es waren Stücke, die nicht von Trends bestimmt sind, sondern eine persönliche Bedeutung haben. Dieser Ansatz entstand intuitiv, ist heute aber noch relevanter, da Überproduktion und Abfall zu den größten Problemen der Branche gehören. Von Anfang an wollte ich, dass Menschen eine Beziehung zu ihrer Kleidung aufbauen. Kleidung, die dafür gemacht ist, lange getragen, wiederverwendet und aufbewahrt wird. Diese Ideen jetzt wieder aufzugreifen, fühlt sich richtig an, weil die Branche zunehmend erkennt, dass Nachhaltigkeit nicht nur Innovation bedeutet, sondern auch darin besteht, Kleidung so zu gestalten, dass sie lange genutzt wird.

DIVA: Einige Stücke greifen ikonische Modemomente auf.
Was bedeuten diese heute für Sie?

STELLA MCCARTNEY: Sie sind sehr emotional, aber auch praktisch. Diese Momente sind mit Freundschaften, Erinnerungen und einem Gefühl von Freiheit verbunden, und genau das bedeutet Mode für mich. Wenn man bekannte Formen und Referenzen aufgreift, entsteht sofort eine Verbindung zu den Kleidungsstücken, und diese Verbindung ist entscheidend. Ich bin mit Eltern aufgewachsen, die sich einen Kleiderschrank teilten. Daher kommt meine Begeisterung für Tailoring, weil es die Grenzen zwischen männlich und weiblich auflöst. Wenn jemand ein Kleidungsstück liebt, wird er es eher behalten, reparieren und wieder tragen. Wenn es aus Bio-Baumwolle oder recycelten Fasern besteht, reduziert sich gleichzeitig die Umweltbelastung. Für mich ergibt Mode dann Sinn, wenn Kreativität, Emotion und Verantwortung zusammenwirken. Dieses Gleichgewicht hat meine Arbeit immer geprägt und tut es auch heute noch.

Ein Dank an das gesamte Team
Fashion Editor & Stylist: Mike York
Photographer:
Pascal Schrattenecker
Hair & Make Up Artist:
Sophie Chudzikowski /Perfect Props Artists using Lancóme
Model:
Ronnie / Stalker Agency 
Photo Assistants: Jonathan Niederbrunner, Daniel Binder
Production: Mike York for
Perfect Props Artists 

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