Harrison Ford, der Kilt und der Whisky
Glenmorangie bringt einen Whisky auf den Markt, der den Namen von Harrison Ford trägt. In Zeiten prominenter Spirituosenmarken wäre das kaum der Rede wert. Wäre da nicht Ford selbst.

Fotos: Glenmorangie
Schauspieler Harrison Ford hat einen neuen Whisky. Oder genauer: einen Whisky, auf dem sein Name steht: „Glenmorangie Harrison Ford Limited Edition". In einer Zeit, in der nahezu jeder Prominente zwischen Filmset und Ruhestand noch eine Spirituosenmarke gründet, wäre das kaum eine Meldung wert. Wäre da nicht Harrison Ford. Denn Ford wirkt seit Jahrzehnten wie jemand, der lieber Holz hackt, als Produkte zu bewerben. Seine öffentliche Spezialität ist die gepflegte Unlust am Showgeschäft. Interviews beantwortet er oft mit trockenen Einzeilern. Begeisterung trägt er selten vor sich her. Vielleicht deshalb passt ausgerechnet Whisky zu ihm. Entstanden ist die Abfüllung aus einer Reihe von Fassproben. Glenmorangies Whisky-Chef Bill Lumsden schickte dem Schauspieler über Monate hinweg Muster zwischen Schottland und Wyoming. Am Ende fiel die Wahl auf eine Kombination aus klassisch in Bourbonfässern gereiftem Glenmorangie und Whisky aus getoasteten portugiesischen Rotweinfässern. Das Ergebnis bewegt sich zwischen Zitrusfrüchten, Aprikose, Karamell und einer trockenen Würze. Im Nachhall tauchen Noten von Orangenöl, Leder und Holz auf. Ein Whisky, der weniger auf Wucht setzt als auf Balance.

Die Veröffentlichung ist zugleich der Schlusspunkt einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit. Seit vergangenem Jahr spielt Ford die Hauptrolle in der Glenmorangie-Miniserie „Once Upon a Time in Scotland“. Darin stolpert er mit sichtbarer Gelassenheit durch die Welt des schottischen Whiskys, begegnet Destillerie-Mitarbeitern, probiert Fässer und macht keinen Hehl daraus, dass ihm Selbstinszenierung eher fremd ist. Gerade deshalb funktioniert die Geschichte.
Auch die Enthüllung seines eigenen Whiskys erfolgt nicht auf einer Bühne, sondern vor laufender Kamera in Wyoming. Natürlich im Kilt. Die Szene bewegt sich irgendwo zwischen Selbstironie und Markenfilm und lebt vor allem davon, dass Ford nie ganz so wirkt, als würde er die Rolle des Werbebotschafters ernst nehmen. Vielleicht liegt genau darin der Reiz dieser Edition. Nicht in der Vorstellung, ein Hollywood-Star habe einen Whisky erfunden. Sondern die Tatsache, dass Ford dem fertigen Produkt tatsächlich ein Kompliment macht. „It's nice. It's very nice.“ Mehr Lob ist von Harrison Ford vermutlich nicht zu bekommen.
