Female Power und Luxus neu definiert

Mit HERizon bringt Bianca Schwarzjirg Frauen für vier Tage nach Bad Gastein. Im DIVA-Interview spricht sie über finanzielle Freiheit, Female Health, Sichtbarkeit und darüber, was Luxus für sie bedeutet.

Von Birgit Brieber

Nach der erfolgreichen Premiere 2025 geht der HERizon Summit heuer in die zweite Runde. Das Konzept: Frauen zusammenzubringen, die nicht nur zuhören, sondern diskutieren, sich austauschen und konkrete Impulse mit nach Hause nehmen wollen. Auf dem Programm stehen Female Finance, Leadership und Sichtbarkeit ebenso wie Female Healthspan, Prävention und Künstliche Intelligenz. DIVA hat mit Initiatorin Bianca Schwarzjirg darüber gesprochen, was Frauen heute wirklich stärkt und warum vier Tage in Bad Gastein manchmal mehr verändern können als ein klassischer Businesskongress.

HERizon geht heuer in die zweite Runde. Was hat Ihnen nach der Premiere 2025 gezeigt: Genau so einen Summit braucht es?

Das Feedback während des Summits und die vielen Gespräche haben mir gezeigt, wie inspirierend diese Bühne mit und rund um Frauen ist. Viele Teilnehmerinnen sind mit ganz konkreten Ideen aus den Workshops und Panels gegangen. Wir brauchen kein weiteres Wohlfühlevent und auch kein unpersönliches Festival. Es geht darum, gute Diskussionen zu hören, mit Speakerinnen ins Gespräch zu kommen und in Deep Dives wirklich in Themen einzutauchen.

Sie wollen mit HERizon bewusst mehr schaffen als ein klassisches Female Empowerment Event. Was fehlt Ihnen bei vielen bisherigen Formaten fürFrauen?

Mir fehlt oft die Substanz hinter dem schönen Wort Empowerment. Bei uns gibt es pro Halbtag ein Thema mit Keynote, Panel und Workshops. Ich finde es großartig, wenn bei HERizon diskutiert wird, wenn wir uns widersprechen und am Ende mit neuen Denkansätzen und konkretem Wissen nach Hause gehen.

Female Finance und finanzielle Unabhängigkeit sind zentrale Themen. Warum ist Geld aus Ihrer Sicht noch immer eines der wichtigsten Empowerment Themen für Frauen?

Geld gibt uns die Freiheit, selbst zu entscheiden. Wer finanziell nicht unabhängig ist, bleibt abhängig, vom Partner, von der Familie oder vielleicht von einem Job, den man längst kündigen wollte. Ich kenne viele starke und erfolgreiche Frauen, die beim Thema Geld trotzdem zurückhaltend sind. Sie reden über ihre Karriere, aber nicht über ihr Gehalt. Das hat viel mit Erziehung und Scham zu tun und damit, dass es ihnen niemand beigebracht hat. Genau das wollen wir bei HERizon aufbrechen.

Leadership, Sichtbarkeit und Positionierung stehen ebenfalls auf dem Programm. Erleben Sie, dass Frauen heute selbstbewusster einfordern, was sie wollen, oder halten wir uns noch immer zu oft zurück?

Beides passiert gleichzeitig. Ich erlebe eine junge Generation, die viel klarer sagt, was sie will, als ich es mit dreißig getan habe. Gleichzeitig begegnen mir immer noch dieselben Muster: das Zögern vor der Gehaltsverhandlung, das Kleinreden der eigenen Leistung, das Zurückstecken, damit man niemandem auf die Füße tritt. Der Fortschritt ist real, aber er ist nicht überall gleich angekommen.

Mit Female Healthspan, Prävention und Frauenmedizin bekommt auch Gesundheit viel Raum. Warum gehört Female Health für Sie unbedingt zu einem Summit, der sich mit Karriere, Geld und Zukunft beschäftigt?

Weil man beruflich nicht stark sein kann, wenn der eigene Körper nicht mitgedacht wird. Frauengesundheit wird in Medizin und Forschung noch immer zu wenig berücksichtigt. Das ist kein Randthema, sondern hat direkte Auswirkungen auf unsere Energie, unsere Entscheidungen und unsere Karrieren. Gesundes Altern gehört für mich genauso zu HERizon wie Führung und Finanzen. Wir stellen deshalb ganz bewusst die Frage: Wie viele gute, wache und gestaltungsfähige Jahre haben wir vor uns und was können wir dafür tun?

Auch KI und die Frage, wer eigentlich bestimmt, was intelligente Systeme lernen, sind Themen. Wo sehen Sie die größten Chancen, aber auch Herausforderungen für Frauen?

KI kann uns enorm viel Zeit und Struktur zurückgeben, gerade Frauen, die oft mehrere Rollen gleichzeitig jonglieren. Gleichzeitig werden diese Systeme von Daten und Teams geprägt, die historisch stark männlich dominiert waren. Mich beschäftigt deshalb die Frage, wer am Tisch sitzt, wenn diese Systeme gebaut werden. Können Frauen mitgestalten oder kommentieren sie erst im Nachhinein? Darüber wollen wir bei HERizon mit Frauen sprechen, die selbst in diesem Feld arbeiten.

Sie kommen selbst aus einer Branche, in der Sichtbarkeit entscheidend ist. Was haben Sie in mehr als zwei Jahrzehnten Medienkarriere darüber gelernt, wie Frauen wahrgenommen werden und wie sie sich selbst positionieren sollten?

Ich habe ganz am Anfang meiner Karriere gesagt, dass ich niemand sein möchte, der ich nicht bin. Das meine ich noch immer. Authentizität ist stärker als Perfektion, gerade in einer Social Media Welt voller Filter und KI generierter Bilder. Sichtbarkeit funktioniert dann am besten, wenn man auch Unsicherheit zeigen darf und trotzdem bei dem bleibt, wofür man steht. Frauen wird oft beigebracht, sich klein zu machen und „lieb zu sein“, damit sie sympathisch bleiben. Ich rate zum Gegenteil: lieber anecken als verschwinden.

HERizon soll bewusst mehr sein als Keynotes und Panels. Wie wichtig sind persönliche Begegnungen und Netzwerke für Frauen, wenn es darum geht, beruflich den nächsten Schritt zu machen?

Aus meiner Erfahrung sind sie entscheidend. Die wichtigsten Türen in meiner eigenen Karriere haben sich nicht durch einen perfekten Vortrag geöffnet, sondern durch Gespräche beim Abendessen oder bei einem Spaziergang. Deshalb schaffen wir bewusst Räume für solche Begegnungen. Dazu gehört auch unser Moonlight Storytelling mit Geschichten über Stärken, die aus einer Schwäche entstanden sind. Das Format war im vergangenen Jahr innerhalb weniger Minuten ausgebucht. Wir wollen es trotzdem bei einem Abend belassen, weil genau das seinen besonderen Charakter ausmacht.

Warum Bad Gastein? Was verändert sich, wenn Sie Frauen für vier Tage aus ihrem beruflichen und privaten Alltag holen, statt einen klassischen eintägigen Businesskongress zu veranstalten?

Bei einem eintägigen Summit in einer Stadt bleibt man immer mit einem Fuß im Alltag. Man checkt Mails oder denkt an die Abholung der Kinder. Vier Tage in den Alpen unterbrechen diesen Automatismus. Man merkt, wie alle ruhiger und offener werden. Wir beginnen und beenden die Tage mit Body & Soul Sessions. Der Ortswechsel ist deshalb nicht nur ein schöner Rahmen, sondern ein Grund dafür, warum die Gespräche anders verlaufen.

Was bedeutet Luxus für Sie persönlich und welche Rolle spielen Stil und Ästhetik dabei?

Für mich ist Luxus vor allem Zeit, die ich selbst bestimmen darf, und Menschen um mich, bei denen sich Gespräche gut anfühlen. Ich bin gerne mit wenigen Menschen zusammen, mag es ruhig und manchmal auch sehr gerne allein. Das klingt vielleicht überraschend von jemandem, der beruflich im Fernsehen und auf Bühnen steht. Aber gerade diese unaufgeregten Momente sind für mich extrem kostbar. Stil und Ästhetik sind mir ebenfalls wichtig, aber nicht als Statussymbol. Sie sind eine Form, sich auszudrücken. Wenn ein Haus oder ein Raum schön gestaltet ist, spürt man, dass sich jemand Gedanken gemacht hat.

Wenn eine Teilnehmerin am Sonntagabend nach Hause fährt: Was soll sie idealerweise anders sehen, wissen oder vielleicht sogar anders machen als vier Tage zuvor?

Sie soll motiviert und inspiriert sein, inspirierende Gespräche geführt haben und auf der Heimfahrt schon überlegen, was sie als Nächstes angehen möchte. Das kann ein Finanzplan sein oder ein Arzttermin, den sie lange aufgeschoben hat. Vor allem soll das Erlebte nachwirken und etwas in Bewegung setzen.

Der HERizon Summit findet heuer von 8.-11.10. in Bad Gastein statt.

Tickets sind unter HER•izon Summit - Bad Gastein erhältlich.

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