Die Kunst des Weglassens

Jil Sander und Puma verbindet eine lange Sneaker-Geschichte. In Mailand wurde nun das nächste Kapitel vorgestellt. Auffällig ist dabei vor allem, was fehlt.

Von Yasmin El Mohandes
Ein Paar schwarze Jil Sander x Puma Speedcat Sneaker aus Glattleder mit feiner Perforation und einem kleinen goldenen Jil Sander Logo an der Schnürung.

1998 sah ein Puma-Fußballschuh plötzlich anders aus. Jil Sander hatte ihn aus Leder neu gedacht und damit eine Zusammenarbeit begonnen, die ihrer Zeit voraus war. Nun geht diese Geschichte weiter: Bei der Frühjahr/Sommer-Show 2027 in Mailand wurden die nächsten gemeinsamen Modelle gezeigt, darunter „Speedcat“ und „Suede“.

Fast drei Jahrzehnte später verfolgt Simone Bellotti dabei eine ziemlich einfache Methode: Er nimmt weg. Beim schwarzen „Speedcat“-Sneaker verschwindet ausgerechnet eines der bekanntesten Erkennungsmerkmale von Puma. Der Formstrip ist nicht mehr als eigener Streifen aufgesetzt, seine Kontur wird lediglich durch Perforationen im schwarzen Leder angedeutet. Nur ein kleines goldenes Jil-Sander-Logo an der Schnürung setzt einen sichtbaren Akzent.

Einen solchen schwarzen „Speedcat“-Sneaker trug in Mailand bereits Meadow Walker, die Tochter des verstorbenen „Fast & Furious“-Stars Paul Walker und selbst Model. Auch das britische Elektronikduo Space Afrika und die US-amerikanische Sängerin und Songwriterin King Princess kamen in dem neuen Schuh zur Show. Die weiße Version geht etwas näher an das Original zurück: Der Formstrip bleibt erhalten, ist aber ebenfalls tonal gehalten und aus Veloursleder gefertigt. Dazu kommt eine weiße „Suede“ mit dezenten, farblich abgestimmten Details. Ein offizieller Verkaufstermin und Preise stehen noch nicht fest.

Die Reduktion passt zu Bellottis Verständnis von Schuhen. Schon beim „K-Street“, der im Frühjahr auf die Rückkehr des „King Avanti“ folgte, setzte er auf eine schmale Silhouette. Das Modell verband ein Obermaterial, das an Pumas historischen Laufschuh „H-Street“ erinnert, mit einer Sohle aus dem Karate. Bellotti sagte damals, er möge Schuhe mit möglichst dünnen Sohlen und einer natürlichen Linie um den Fuß. Mit klobigen Silhouetten könne er wenig anfangen.

Damit ist die aktuelle „Speedcat“ weniger eine Neuerfindung als eine konsequente Fortsetzung dieser Idee. Die Zusammenarbeit zwischen Jil Sander und Puma begann, als aus Pumas Fußballschuhen luxuriöse Ledermodelle wurden. In den frühen 2000er-Jahren folgten weitere Varianten, darunter schmal geschnittene Schuhe mit Anleihen aus Radfahren und Ringen. Erst im vergangenen Jahr wurde die Verbindung mit dem „King Avanti“ wieder aufgenommen, im Frühjahr folgte der „K-Street“.

Jetzt ist es also „Speedcat“, an dem Bellotti seine Vorstellung vom reduzierten Sportschuh weiterführt. Beim schwarzen Modell reicht dafür ein Muster aus kleinen Löchern, um einen Streifen sichtbar zu machen, den es eigentlich gar nicht mehr gibt.

© Fotos: Puma

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