Die Königin des Kaschmirs
Zum 50-jährigen Jubiläum erzählt ein neues Buch die Geschichte von Iris von Arnim. Aus einer Leidenschaft für Strickmode machte die deutsche Designerin eine international bekannte Kaschmirmarke.

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Sieben Operationen in drei Jahren. Als Iris von Arnim Anfang zwanzig war, sah ihre Zukunft anders aus, als sie es sich vorgestellt hatte. Nach einem schweren Autounfall verbrachte sie Monate im Krankenhaus. Ein Freund brachte ihr zehn Wollknäuel in verschiedenen Farben. Von Arnim begann zu stricken. Sie ließ die Farben ineinanderlaufen und schuf einen Pullover, der so wenig mit dem zurückhaltenden Strick jener Zeit zu tun hatte, dass er bald Aufmerksamkeit erregte. Ausgerechnet eine Zeit, in der sie kaum wusste, wie es weitergehen sollte, brachte sie auf eine Idee, die ihr Leben verändern würde.
1976 gründete sie ihr eigenes Modelabel. Der Regenbogenpullover wurde zum frühen Erkennungszeichen, später verlagerte sich ihr Schwerpunkt auf Kaschmir. Aus der Frau, die sich das Stricken während ihrer Genesung beigebracht hatte, wurde eine der bekanntesten deutschen Designerinnen für luxuriöse Strickmode. Zum 50-jährigen Jubiläum blickt das Buch „Iris von Arnim. Königin des Cashmeres“ auf fünf Jahrzehnte Mode und auf die Frau hinter der Marke zurück. Die Modejournalistin Nadja Schaer erzählt anhand von rund 150 Fotografien, darunter private Aufnahmen und Archivbilder, von einer Kindheit im Schatten der Flucht, einem strengen Vater und dem frühen Verlust der Mutter. Es ist das Porträt einer Frau, die ihren eigenen Weg finden musste, lange bevor aus ihrer Leidenschaft für Strickmode ein Unternehmen wurde.




Den Durchbruch verdankte Arnim nicht Paris oder Mailand, sondern Sylt. In Hamburg verkaufte von Arnim zeitweise nur vier Pullover pro Woche. Als Freunde in Kampen eine Boutique eröffneten und eine Verkäuferin suchten, sagte sie zu, allerdings unter einer Bedingung: Ihre eigenen Entwürfe sollten ebenfalls im Laden hängen. Das Geschäft lief. Auf Sylt verkaufte sie 30 bis 40 Pullover im Monat, der Regenbogenpullover schaffte es in die Gesellschaftskolumne der „Bunten“. Die Insel wurde zum Ausgangspunkt ihres Erfolgs.

Dass aus dem Label ein unabhängiges Luxusunternehmen wurde, ist auch eine unternehmerische Geschichte. Von Arnim zog ihren Sohn Valentin allein groß und baute gleichzeitig die Firma auf, ohne eine Kredit aufzunehmen. Heute führt sie das Unternehmen gemeinsam mit ihrem Sohn, der zuvor bei Goldman Sachs gearbeitet hat. Im Gespräch mit dem Handelsblatt räumt er ein, dass sein früherer Job einfacher gewesen sei als die Arbeit im Familienbetrieb. Fünf Jahrzehnte nach der Gründung wird deutlich, wie anspruchsvoll es ist, ein Unternehmen weiterzuführen, dessen Erfolg eng mit der Persönlichkeit seiner Gründerin verbunden ist.
Fotos: © Callwey Verlag
