Barbie im Teddybärenmantel
1986 sorgte der französische Designer Jean-Charles de Castelbajac mit einem Mantel aus ausgestopften Teddybären für Aufsehen. Jetzt trägt ihn Barbie.

Der Teddyfellmantel ist geschrumpft. Jean-Charles de Castelbajac hat seinen berühmtesten Entwurf auf Puppengröße gebracht. 1986 fertigte der französische Designer den Mantel aus ausgestopften Teddybären als Gegenentwurf zum Pelz. Jetzt trägt ihn Barbie. Und auch Ken bekommt einen. Für Mattel hat de Castelbajac seinen ikonischen Teddy Coat neu interpretiert.
„Als Kind habe ich mit meinen Spielzeugsoldaten Krieg gespielt. Jetzt, mit 76, spiele ich mit Barbie“, sagt de Castelbajac. Ein ziemlich guter Satz über einen Designer, bei dem Mode und kindliche Fantasie seit Jahrzehnten eng beieinanderliegen. Der Teddy Coat war von Anfang an mehr als eine kuriose Idee. Diana Ross trug ihn, später Pharrell Williams. Als de Castelbajac in den USA die ersten Bilder des Mantels sah, entdeckte er ihn zunächst an LL Cool J. Später trug ihn auch Drake. Besonders interessant fand der Designer, wie Männer das Stück für sich interpretierten. „Sie machten den Mantel zu ihrem eigenen, fast wie eine Königsrobe“, erzählt er.
Für Ken wurde der Entwurf deshalb vereinfacht. Er trägt eine reduzierte Version des Mantels zu Baggy Jeans und Sneakers. Barbie bekommt die opulentere Variante, kombiniert mit kniehohen Denimstiefeln. Dazu trägt sie ein T-Shirt-Kleid mit Graffiti. Die Zeichnungen erinnern an die Kreidebilder, die de Castelbajac selbst gerne auf Straßen und Hauswänden hinterlässt. Auch die Stiefel haben ihre eigene Geschichte. Die USA hatten den Designer früh in seiner Karriere begeistert und ihm Begegnungen mit Künstlern wie Andy Warhol und Keith Haring ermöglicht. Seine Arbeit bewegte sich ohnehin oft zwischen Mode, Kunst und Popkultur. Bei Barbie liegt die Verbindung besonders nahe.




Als Mattel ihn ansprach, hatte de Castelbajac deshalb schnell eine Vorstellung davon, was die Puppe tragen sollte. Etwas Weiches. Etwas, das zugleich Schutz bietet. Er beschreibt den Teddy Coat als eine Art sanfte Rüstung, als eine andere Form von Superkraft. Freundlichkeit, Kuscheln und Sanftheit seien heute Eigenschaften, die man dringend brauche.
Barbie bekommt damit nicht einfach einen alten Entwurf in Miniaturform. Sie bekommt ein Stück de Castelbajacs Geschichte. Seine eigene Barbie widmet der Designer seiner siebenjährigen Tochter Eugénie, die gespannt verfolgte, wie die Puppe entstand. Auch seine Mutter hatte eine Verbindung zu Puppen: Sie war Sammlerin.
De Castelbajac nennt seine Version der Puppe kurzerhand „Bearbie“. Auf der Verpackung tauchen seine kräftigen Grundfarben und verspielten Zeichnungen auf, dazu wird der Name Barbie durch einen kleinen Bärenkopf ergänzt. Ken gehört selbstverständlich dazu. Die beiden werden allerdings getrennt verkauft. De Castelbajac beschreibt sie als „freigeistiges Paar“.
