60 Jahre Cindy Crawford: Berlin feiert mit einer Schau die Supermodel-Ikone
Die Berliner Galerie Camera Work zeigt, wie Cindy Crawford seit den Achtzigern Modelgeschichte schrieb. Fotografien von Top-Fotografen verdeutlichen ihre Vielseitigkeit und zeitlose Ausstrahlung. Gleichzeitig bietet die Ausstellung Einblicke in die Entstehung berühmter Bildikonen. Besucher können Crawfords Karriere als Spiegel der Supermodel-Ära erleben.

Ihr Name steht wie kaum ein anderer für den Supermodel-Glamour der Neunziger: Cindy Crawford. Am 20. Februar feierte sie ihren 60. Geburtstag. Ein Alter, das im Fall Crawfords beinahe unwirklich erscheint, gilt sie doch bis heute als Inbegriff des All-American-Girls: sportlich, diszipliniert, mit jenem berühmten Leberfleck über der Lippe, der sie unverwechselbar machte.
Die Berliner Galerie Camera Work widmet der Model-Ikone noch bis zum 14. März 2026 eine umfassende Ausstellung. Gezeigt werden mehr als 30 Werke aus fünf Jahrzehnten – Mode-, Porträt- und Aktfotografie, ikonische Magazinaufnahmen ebenso wie aufwendig inszenierte Werbearbeiten. Crawford selbst hat die Auswahl mitkuratiert. So ist eine Werkschau entstanden, die nicht nur eine außergewöhnliche Karriere dokumentiert, sondern auch ein ganzes Kapitel Mode- und Mediengeschichte nachzeichnet.
Die Ausstellung beginnt im Jahr 1987 mit frühen Porträts von Arthur Elgort für die französische Vogue sowie einer inszenierten Fotografie von Hans Feurer für Elle. Damals war Crawford Anfang zwanzig, stammte aus dem beschaulichen DeKalb in Illinois und hatte gerade den Sprung in die internationale Modewelt geschafft. 1986 unterschrieb sie bei Elite, wenig später war sie auf den Titelseiten der großen Magazine. Die Neunziger wurden zur Dekade, in der Models zu globalen Marken wurden – und Crawford stand im Zentrum dieses Moments. Sie lief für die wichtigsten Couture-Häuser, zierte Vogue und Playboy, moderierte bei MTV, drehte Fitnessvideos und wurde Werbegesicht für Pepsi. Sie war nicht länger nur Mannequin, sondern Persönlichkeit.



Dreh- und Angelpunkt der Berliner Schau ist jedoch jenes Bild, das als Initialzündung der Supermodel-Ära gilt: das 1989 entstandene Cover der britischen Vogue, fotografiert von Peter Lindbergh. Es zeigt Crawford gemeinsam mit Naomi Campbell, Linda Evangelista, Tatjana Patitz und Christie Turlington – die später sogenannten „Big Five“. Ungeschminkt wirkend, in schlichten weißen Hemden, stehen sie auf einer Straße in Downtown New York. Das Bild verschob den Fokus: Plötzlich waren es die Frauen selbst, ihre Ausstrahlung und ihre Persönlichkeiten, die zählten – nicht nur die Mode, die sie präsentierten. Der Mythos Supermodel war geboren.
Die Wirkung dieses Fotos reichte weit über die Mode hinaus. George Michael engagierte vier der fünf Models 1990 für sein Video zu Freedom! '90', in dem Crawford, Evangelista, Turlington und Campbell den Song lippensynchron performten. Ein Jahr später ließ Gianni Versace sie Arm in Arm über den Laufsteg schreiten – ein ikonischer Moment weiblicher Selbstinszenierung. In der Ausstellung hängt neben dem berühmten Covermotiv auch ein Making-of-Foto des deutschen Fotografen Jim Rakete, der damals beim Shooting anwesend war – eine kleine Berliner Randnotiz zu einem globalen Bildereignis.

Den chronologischen Schlusspunkt setzt eine Arbeit aus dem Jahr 2021. Für den schottischen Fotografen David Yarrow inszenierte Crawford ein Remake ihres legendären Pepsi-Spots von 1992. Noch einmal trägt sie abgeschnittene Jeans und weißes Tanktop, lehnt lässig am roten Cabrio und genießt ihre Pepsi an einer Tankstelle. Statt zweier staunender Jungen blicken diesmal zwei Wolfshunde – typisch Yarrow – aus dem Wagen. Das großformatige Werk ist ein von beiden signiertes Unikat und verbindet Nostalgie mit augenzwinkernder Selbstreferenz.
So sehr die Ausstellung den Glamour feiert, so sehr erinnert sie auch an die biografischen Brüche. Crawfords jüngerer Bruder starb 1976 im Alter von drei Jahren an Leukämie – ein Verlust, der ihr Engagement bis heute prägt. Ein Teil der Verkaufserlöse – die Werke kosten zwischen 4000 und 100.000 Euro – geht an eine von ihr unterstützte Kinderkrebsklinik in Wisconsin sowie an die Syltklinik der Deutschen Kinderkrebshilfe.

© CAMERA WORK Gallery




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